Nike Sneaker, Whatsapp, Lebensversicherungen.

Was meinst du haben diese drei auf den ersten Blick völlig verschiedenen Dinge gemeinsam?

Sehr viele Menschen haben bzw. nutzen sie. Und was sehr viele haben muss gut sein, richtig?

Falsch. Social Proof (deutsch „soziale Bewährtheit“) mag in einigen Lebensbereichen ein guter Anhaltspunkt sein.

In Bezug auf Nike Sneaker und Whatsapp kann man durchaus der Meinung sein, dass es sich um gute Dinge handelt.

Bei Lebensversicherungen hingegen definitiv nicht.

Dieses Finanzprodukt wurde in der Vergangenheit von Banken und Versicherungen mit Abstand am meisten verkauft.

Bei Lebensversicherungen wird oft von „des Deutschen liebste Anlageform“ gesprochen.

Insgesamt sind derzeit 88 Millionen Lebensversicherungen im Umlauf.

Das heißt, dass durchschnittlich jeder Deutsche mehr als eine davon besitzt.

In unseren Augen ein absoluter Skandal. Warum, wollen wir dir in diesem Artikel aufzeigen.

Ein überholtes Geschäftsmodell

Das Grundproblem ist das Geschäftsmodell von Banken und Versicherungen.

Alles, was du beim Betreten ihrer Filiale siehst, sei es der moderne Empfangsbereich, die glänzende Außenfassade, die hochwertigen Computer oder jeder einzelne Mitarbeiter – all das muss finanziert werden.

Und zwar mit dem Geld von uns – den Kunden.

Keine Bank oder Versicherung der Welt stellt reale, greifbare Produkte her. Ihre Leistung ist es, sogenannte Finanzprodukte zu erstellen.

Was ist darunter überhaupt zu verstehen?

Ein Finanzprodukt ist ein immaterielles Konstrukt, welches der Kapitalanlage dienen soll.

Es ist also im Idealfall so gestaltet, dass der Kunde mit ihm die Möglichkeit hat, sein Geld gewinnbringend anzulegen.

Die Bank wiederum verdient ihr Geld damit, auf das Finanzprodukt verschiedene Provisionen und Gebühren zu verlangen.

„Qualität kostet“ wird dann häufig von den Bankberatern als Rechtfertigung dessen angegeben.

Schauen wir uns also einmal an, wie hoch die „Qualität“ in der Realität tatsächlich ist.

Lebensversicherungen als Altersvorsorge für jedermann?

Wie schon oben erwähnt gilt die Lebensversicherung noch heute als „des Deutschen liebste Anlageform“. Doch woher kommt das?

Für die meisten Menschen ist das Thema Finanzen und Altersvorsorge ein Buch mit sieben Siegeln.

Aus Vertrauen, vielleicht auch aus Faulheit, wird daher oft die Verantwortung abgegeben und der Gang zum Finanzberater gewählt.

Lasse dich aber nicht täuschen: Ein Bankangestellter, mit dem du ein „Beratungsgespräch“ hast, ist nichts weiter als ein Verkäufer, der nur seine und die Interessen seiner Bank im Sinn hat.

Das wichtigste finanzielle Thema für fast jeden ist die Altersvorsorge.

Die logische Konsequenz für die Banken war also, ein für sie möglichst lukratives Altersvorsorge-Produkt zu entwickeln, diesem einen schönen Namen zu geben und dann so stark und häufig wie möglich zu bewerben.

Das Ergebnis: Die Lebensversicherung, die 88 Millionen mal verkauft wurde.

Das Prinzip

Der Sinn einer Lebensversicherung ist es, das Leben im Alter finanziell abzusichern. Dafür zahlt man vertraglich festgeschriebene Beiträge monatlich ein.

Auf diese bekommt man einen sogenannten Garantiezins, um den die Einzahlungen „vermehrt“ werden.

Wenn man das Alter von 62 Jahren erreicht, kann die Lebensversicherung ausbezahlt werden und man soll im Idealfall seinen Lebensabend abgesichert haben.

Die Kritik

1. Hohe Kosten

Wenn du Geld anlegst, tust du das doch sicher nicht, um am Ende weniger herauszubekommen, oder?

Leider ist in den allermeisten Fällen genau das bei Lebensversicherungen das Ergebnis.

Ein Hauptgrund sind vor allem die enorm hohen Kosten.

Oft sind zusätzlich zu der Bank, die dir eine Lebensversicherung schmackhaft machen will, noch Versicherungs- und Fondgesellschaften beteiligt.

Jede dieser Parteien will ein Stück vom Kuchen abbekommen und muss mit diesen Einnahmen ihre eigenen hohen Kosten decken, die durch ihre nicht mehr zeitgemäße Struktur anfallen.

Infrastruktur, Personal, Marketing – all das muss durch dein Geld finanziert werden.

Im Allgemeinen kannst du davon ausgehen, dass nur mit zwischen 60 und 80% deiner Einzahlungen tatsächlich dein Vermögensaufbau voran getrieben wird.

Der Rest? Abschlusskosten, Verwaltungsgebühren, Provisionen.

2. Anlagestrategien

Wenn nur mit einem so geringen Anteil deiner Einzahlungen der Mehrwert für dein Alter geschaffen werden soll, müssten doch wenigstens diese Beträge effektiv vermehrt werden, oder?

Leider nicht. Stattdessen wird auf weitgehend risikoarme Anlageformen wie Anleihen oder Pfandbriefe gesetzt.

Risikoarm heißt im Finanzbereich aber auch leider renditearm – dabei wären hohe Renditen dringend erforderlich, um die hohen Kosten zu decken.

Vermehrt wird dein Geld allenfalls um einen Garantiezins, der jedoch in den letzten Jahren immer weiter gefallen ist.

Derzeit liegt er bei ca. 1,75%. Einige Anbieter können aufgrund des niedrigen Zinsniveaus gar keinen Garantiezins mehr gewährleisten.

Um Chancen auf höhere Renditen zu bieten, werden in letzter Zeit häufig auch fondgebundene Lebensversicherungen angeboten.

Das heißt, dass die Einzahlungen automatisch in einen zuvor ausgewählten, aktiv gemanagten Fond fließen.

Das Problem hierbei ist jedoch, dass damit die Beteiligung einer Fondgesellschaft am Vertrag einhergeht, wodurch die Kosten noch weiter steigen.

Außerdem haben in der Vergangenheit auch aktiv gemanagte Fonds extrem selten wirklich überzeugt und quasi nie den Gesamtmarkt outperformt.

Hohe Kosten und niedrige Erträge – Dass das nicht funktionieren kann, liegt auf der Hand. Doch leider waren das nicht die einzigen Negativpunkte …

3. Extreme Inflexibilität und Bindung

Wenn du jemals einen Großteil des Geldes, das du eingezahlt hast, wieder sehen willst, musst du bis zum Vertragsende eisern die festgeschriebenen Beiträge zahlen.

Tust du es nicht bzw. kündigst du deine Lebensversicherung vorzeitig, musst du mit enormen Abschlägen rechnen.

Außerdem kannst du dir deine Beiträge in den meisten Fällen erst ab 62 auszahlen lassen.

Dein Geld ist also auf Jahrzehnte in einer schlechten Anlageform gefangen, ohne dass du darauf Zugriff hast.

Unflexibler kann eine Geldanlage nicht sein.

Geldbeutel in der Klammer

4. Steuern

Als wäre all das nicht schon genug kommen steuerliche Nachteile hinzu.

In fast jeder Lebensversicherung ist es so geregelt, dass das angesparte Kapital versteuert werden muss.

Auch dieser Aspekt führt im Endeffekt dazu, dass sich deine finanzielle Absicherung für Alternoch mehr reduziert.

5. Komplexität

Der Vertrag einer Lebensversicherung umfasst nahezu immer weit über 50 Seiten.

Sind wir ehrlich:

Wer nimmt sich die Zeit, um all das bis ins kleinste Detail zu prüfen?

In der Realität versucht dich der Bankberater solange mit den wunderbar klingendsten Phrasen zu überzeugen, bis du einfach nur noch „Ja“ sagst.

Kostenstruktur, Beitragsverpflichtungen, steuerliche Aspekte, Kündigungseventualitäten, Auszahlungsmodalitäten.

Eine Lebensversicherung ist an Komplexität nicht zu überbieten.

Hier können wir dir einen Rat von Investoren-Legende Warren Buffett geben:

„Kaufe nie, was du nicht verstehst“

– Warren Buffett

Fazit

Das gute ist, dass du die genauen Details einer Lebensversicherung gar nicht verstehen musst.

Es handelt sich ähnlich wie beim Bausparvertrag um ein unlukratives und in Abhängigkeit führendes Finanzprodukt.

Im Vergleich zu Bausparverträgen ist es sogar noch einen Tick schlimmer, weil die Kosten noch höher sind und der Vertrag dich dein ganzes Arbeitsleben bindet.

Eine Lebensversicherung blockiert einen Großteil von dem Geld, welches du ansonsten für sinnvollen Vermögensaufbau nutzen würdest.

Sie ist genau das Mittel, welches deine finanzielle Absicherung im Alter verhindert.

Aus diesem Grund hoffen wir, dass wir dir mit diesem Artikel aufgezeigt haben, dass du beim nächsten Beratungsgespräch in deiner Bank sagen solltest:

„Eine Lebensversicherung für meine Altersvorsorge? – Nein danke!“