Schach mit Krone

Buy & Hold Investing - Ist einmal kaufen und nie wieder verkaufen die beste Strategie?

„Gehen sie in eine Apotheke und kaufen sie Schlaftabletten. Danach kaufen sie sich eine Palette erstklassiger internationaler Aktien, nehmen die Tabletten und schlafen viele Jahre, ohne die Stürme und Gewitter an den Aktienmärkten zu hören, die in der Zwischenzeit toben. Wenn sie wieder aufwachen sind sie reich!“

So einfach formulierte Börsenlegende André Kostolany die seiner Meinung nach beste Börsenstrategie für jedermann. Kostolanys Rat liegen vor allem zwei Gedanken zu Grunde:

Zum einen, dass der Aktienmarkt auf lange Sicht trotz aller Schwankungen immer eine steigende Tendenz haben wird.

Zum anderen, dass die meisten Anleger ihr Geld während der „Stürme und Gewitter“, also den Crash-Phasen verlieren, wenn sie aus Angst vor noch größeren Verlusten Panikverkäufe tätigen.

Und genau an diesem Punkt soll Kostolanys Herangehensweise der „Fehler-Minimierer“ sein:

Durch das Credo der Inaktivität, welches er mit den Schlaftabletten versinnbildlicht, sollen die Anleger gar nicht in Versuchung kommen, von ihren Gefühlen beeinflusst zu werden und zu verkaufen.

Die Strategie lautet demnach:

Einmal kaufen und nie wieder verkaufen – ist dies also schon das „Buy and Hold“-Prinzip, wovon viele sagen es sei die „beste Strategie für den Aktienhandel“?

Zunächst einmal: Die Buy & Hold – Strategie erfreut sich in der Finanzwelt großer Beliebtheit. Warren Buffett, der wohl größte Investor aller Zeiten, gilt als bekanntester Buy & Hold-Vertreter.

Grund genug für uns, das ganze Thema etwas genauer für dich zu beleuchten und zu klären, ob es wirklich allein mit „Kostolanys Schlaftabletten“ getan ist.

Das Prinzip

1. Der Buy Prozess

Der alles entscheidende Schritt beim Buy & Hold – Investieren ist die Aktienauswahl.

Da man bei Buy&Hold das Ziel hat, die ausgewählten Titel möglichst lange zu halten und von deren langfristiger Entwicklung zu profitieren, sollten auch die Auswahlkriterien dementsprechend sein.

Die wichtigsten Merkmale einer geeigneten Buy&Hold – Aktie

1. Geschäftsmodell

Auch eine „schwache“ Aktie kann kurzfristig durchaus attraktive Gewinne abwerfen, etwa wenn die pessimistischen Erwartungen der Analysten doch nicht gänzlich bestätigt wurden.

Bei Buy & Hold ist es aber weniger interessant, wie sich die Aktie in einem Monat entwickelt, sondern wie die Aussichten in den nächsten 10 Jahren sind.

Ohne ein grundsätzlich profitables und solides Geschäftsmodell wird keinem Unternehmen eine langfristig positive Zukunft bevorstehen.

Versuche deshalb bei der Auswahl deines potenziellen Investments zuerst zu verstehen, um was für ein Unternehmen es sich genau handelt und vor allem, wie es Geld verdient.

Das klingt zunächst einfacher, als es in der Realität manchmal ist. Besonders im Zeitalter der zunehmenden Digitalisierung werden Geschäftsmodelle immer komplexer und undurchsichtiger.

Achte deshalb darauf, deinen „Circle of Competence“ nicht zu verlassen. Nur wenn du das Unternehmen von Grund auf verstehst kannst du auch seine langfristigen Zukunftsaussichten beurteilen.

2. Management

Das beste Geschäftsmodell nutzt wenig, wenn es nicht richtig gemanagt wird. Ein ganz wichtiger Faktor für deine Aktienauswahl ist daher das Management des Unternehmens.

Schaue dir genau an, wie die Führungsetage strukturiert ist, wie hoch die Fluktuation in der Vergangenheit war, welche Qualitäten und Referenzen die einzelnen Entscheidungsträger mitbringen und wie hoch die Identifikation mit dem eigenen Unternehmen ist.

Ein aussagekräftiger Indikator kann zum Beispiel sein, dass Teile des Top-Managements das Unternehmen mit aufgebaut haben. Weiterhin ist es nicht das schlechteste Zeichen, wenn die Führungskräfte selbst investiert sind, also Aktien „ihres Unternehmens“ auch privat halten.

Zum einen zeigt das den eigenen Glauben an die positive Entwicklung des Unternehmens. Zum anderen kannst du dadurch davon ausgehen, dass die Firmenpolitik eher „Aktionär-freundlich“ sein wird, der „Shareholder Value“ also bei allen Entscheidungen eine gewichtige Rolle spielen wird.

Letztendlich musst du dir die Frage stellen, ob die handelnden Personen die sind, denen du dein Geld anvertrauen willst oder nicht.

3. Branchenperspektive, Marktposition und Unternehmenskultur

Ebenfalls von eminent wichtiger Bedeutung ist der Markt bzw. die Branche, in der das Unternehmen tätig ist und die Position, welche sie in dieser innehat.

Vor allem in der heutigen Zeit, wo Technologien herkömmliche Herangehensweisen immer mehr verdrängen, solltest du hier sehr vorsichtig sein.

Auch wenn das Unternehmen in seiner Branche Marktführer ist nützt das wenig, wenn diese Branche kurz  vor dem Aussterben steht.

Wichtig ist heutzutage vor allem die Adaptionsfähigkeit eines Unternehmens, d.h. wie schnell es auf technische Neuerungen reagieren kann und diese sinnvoll in die eigene Produktpalette integrieren kann.

Ebenso ist Innovationsfreudigkeit entscheidend: Ist das Unternehmen Treiber von technischen Neuerungen oder läuft es dem Markt immer nur hinterher?

Ein absoluter Bonuspunkt ist zudem, wenn das Unternehmen einen sogenannten „Burggraben“  hat, also ein Merkmal, welches nicht ohne weiteres von der Konkurrenz kopiert werden kann und deshalb eine besonders starke Kundenbindung besteht.

Ein Paradebeispiel hierfür ist Coca-Cola, die Lieblingsaktie von Warren Buffett: Auch wenn andere Getränkehersteller ihre Rezeptur noch so toll verfeinern und köstliche Softdrinks herstellen – eine so weltbekannte und attraktive Marke, wie sie Coca Cola ist, kann man nicht von heute auf morgen kreieren.

4. Fundamentale/ finanzielle Situation

Ohne eine finanziell solide Grundstruktur wird auf lange Sicht kein Unternehmen überleben.

Achte deshalb auch auf die Fundamentaldaten: hohe Eigenkapitalrendite, niedriger Verschuldungsgrad, hohe Liquidität (Cashreserven), stetig steigende Umsätze, Cashflows und Gewinne.

Keiner dieser Parameter ist ein absolutes Ausschlusskriterium, jedoch muss das „fundamentale Gesamtbild“ passen, um serös von einem langfristig ertragreichen Investment ausgehen zu können.

5. Langfristige Vision

Diesen letzten Punkt kannst du als „Zusammenführung“ der vorher genannten verstehen: Für eine geeignete Buy & Hold Aktie ist es vor allem wichtig, dass du eine langfristige Vision für die Zukunft des Unternehmens hast.

Fügen sich die qualitativen und quantitativen Kriterien deiner Meinung nach so zusammen, dass du dir grundsätzlich vorstellen kannst, die Aktie für immer halten zu können?

Nur wenn du vollständig davon überzeugt bist, dass das Unternehmen sowohl für die nahe als auch die ferne Zukunft bestens aufgestellt ist, kommt sie für deine Buy & Hold Strategie in Frage.

Und wie sieht es mit dem Einstiegszeitpunkt, der gegenwärtigen „Börsenstimmung“ und anderen häufig als „Kaufgründe“ angegebenen Kriterien aus?

Welche Kriterien für Buy & Hold kaum bis keine Bedeutung haben

1. Preis / „Günstigkeit“ der Aktie

„Es ist wesentlich besser, ein wundervolles Unternehmen zu einem fairen Preis zu kaufen, als ein faires Unternehmen zu einem wundervollen Preis zu erwerben.”

Der Erfolg eines Buy & Hold Investments steht und fällt mit der Qualität des Unternehmens, getreu dem Spruch „auf Dauer setzt sich Qualität immer durch“.

Du solltest also der grundsätzlichen Werthaltigkeit deines potenziellen Investments wesentlich mehr Bedeutung schenken als der Frage, ob eine Aktie gerade „günstig bewertet“ ist.

2. Allgemeine Börsenstimmung

„Die Kurse sind gerade allgemein viel zu hoch, ich warte erstmal bis zum nächsten Crash und steige dann ein.“ – Wie oft hört man von dieser Herangehensweise.

Dahinter steckt der Irrglaube, man könnte „den Markt abtimen“, also genau feststellen, wann der Markt kurz vor der nächsten Korrektur steht und wann im Crash der tiefste Punkt erreicht ist.

Zu Market-timing vertreten wir eine klare Ansicht – es ist nicht möglich. Die Einflüsse auf den Gesamtmarkt, seien sie wirtschaftlich, politisch oder gesellschaftlich, sind so vielfältig, dass genaue zeitliche Verläufe einfach nicht verlässlich vorhersehbar sind.

Ein aktuelles Beispiel: In den letzten Monaten hat der Aktienmarkt eine klare Aufwärtstendenz gezeigt, was viele schon wieder dazu bewogen hat zu sagen, dass der nächste Crash „bald kommen muss“.

Der nächste Crash wird ganz sicher kommen- wann, weiß aber niemand genau. Der Dax kann jetzt noch 3 Jahre weiter steigen, 19 000 Punkte erreichen und dann verherrende 20% fallen auf gut 15 000 Punkte.

Der Aufschrei in den Medien würde garantiert riesig sein, jedoch wäre das Kursniveau selbst in der schlimmsten Krisenphase höher als derzeit.

Genauso kann man heute eine hervorragende Buy & Hold Aktie kaufen und am nächsten Tag können die Kurse alle massiv zusammenbrechen. Doch hast du dann wirklich etwas verloren?

Du besitzt auch im Crash die gleiche Anzahl an Aktien des Unternehmens, folglich auch die selben Unternehmensanteile.

Und nur weil wegen irgend eines politischen Ereignisses viele Anleger in Panik verfallen und ihre Papiere auf den Markt werfen sinkt der reale Wert dieses Unternehmens nicht von heute auf morgen.

Der richtige Zeitpunkt für ein Buy & Hold Investment ist also immer dann, wenn deine Aktienanalyse abgeschlossen ist und du nach Abwägung aller relevanten Kriterien von dem jeweiligen Unternehmen überzeugt bist – ganz unabhängig davon, welche Untergangsszenarien Crashpropheten wie „Dr. Doom“ Marc Faber vorhersehen.

3. Vergangene Performance & charttechnische Signale

Man kann von Charttechnik, also dem Treffen von Kauf- und Verkaufsentscheidungen anhand von Kursverläufen, halten, was man will. Für Buy & Hold Investing ist sie aber definitiv kein gutes Kriterium.

Es spielt keine große Rolle, ob der Kurs einer potenziellen Buy & Hold Aktie „in den letzten Monaten schon 50% zugelegt hat“ oder gerade massiv gefallen ist.

Nur weil eine Aktie in letzter Zeit schon einen starken Anstieg hinter sich hat sollte dich das nicht von einem Kauf abhalten.

Qualitätsunternehmen werden auf lange Sicht auch nach großen Kurssprüngen weiterhin an Wert gewinnen.

Es wäre interessant zu erfahren, wie viele Anleger von einem Investment in z.B. Amazon in den letzten Jahren abgesehen haben, weil „die ja schon so stark gestiegen sind zuletzt“.

Konzentriere dich bei der Entscheidung, ob eine Aktie für ein Buy & Hold Investment für dich in Frage kommt, einzig und allein auf die qualitativen und quantitativen Kriterien.

Nur sie werden letztendlich für die langfristige Entwicklung des Unternehmens und damit der Aktie ausschlaggebend sein.

2. Der Hold Prozess

Nachdem du durch einen sorgfältigen Auswahlprozess die aus deiner Sicht perfekten Buy & Hold Titel ausgewählt hast könntest du dich, wenn du dich an Kostolanys Rat hälst, einfach zurücklehnen und in vielen Jahren das dann hoffentlich hervorragende Ergebnis feiern.

Doch ist es wirklich so einfach? Wir meinen nein und finden, dass die Bezeichnung der Strategie unvollständig ist – perfekt angewandt müsste sie lauten:

Buy & Hold – and Check!

Du solltest also fortlaufend überprüfen, ob die Kriterien, die zu deinem Investment geführt haben, auch zum jetzigen Zeitpunkt noch in dieser Form Bestand haben oder ob sich die Gegebenheiten grundlegend verändert haben.

Besonders heutzutage, da sich Geschäftsmodelle und Marktstrukturen viel schneller verändern als im vergangenen Jahrhundert, ist dieses Vorgehen quasi unverzichtbar.

Prüfe also in regelmäßigen Abständen immer wieder: Sind die Zukunftsaussichten des Unternehmens auch weiterhin so gut, wie ich sie damals beurteilt habe?

Versuche dabei eine gute Balance zwischen Realismus und Geduld zu halten.

Einerseits braucht es manchmal etwas Zeit, damit sich ein tolles Geschäftsmodell auch wirklich am Markt durchsetzt und die mit deinem Investment verknüpfte Vision sich bewahrheitet.

Andererseits solltest du nicht zu eitel sein einzugestehen, dass deine Einschätzungen rückblickend nicht optimal waren oder bestimmte Veränderungen den zukünftigen Erfolg negativ beeinträchtigen werden und das von dir ausgewählte Unternehmen vielleicht doch nicht (mehr) für Buy & Hold geeignet ist.

Du solltest jedoch „Check“ bzw. regelmäßige Prüfung nicht missverstehen und auf die kurzfristige Performance deines Investments beziehen.

Aus diesem Grund solltest du auch bei der „50/50-Strategie“ vorsichtig sein: Diese sieht vor, immer die Hälfte der Aktien von einem Unternehmen zu verkaufen, mit dem man einen Gewinn von 50% erzielt hat.

Beim Buy & Hold Investieren sollte das zentrale Entscheidungskriterium für Kauf- und Verkaufsentscheidungen immer die langfristige Zukunftsperspektive sein.

Solange du diese für intakt hälst, gibt es keinen Grund, an einen Verkauf zu denken bzw. von einem Kauf abzusehen.

Beschäftige dich deshalb nicht zu häufig damit, wie die Performance deines Investments zum aktuellen Zeitpunkt ausfällt, um irrationale Entscheidungen getrieben durch Angst (bei Kursverlusten) oder Gier (bei hohen Renditen) zu vermeiden.

Die einzige Ausnahme, wo du der kurzfristigen Performance Bedeutung schenken solltest, ist eine Crash-Phase: Hier hast du häufig die Möglichkeit, dein hervorragendes Investment zu einem sehr günstigen Preis noch einmal aufzustocken.

Wenn der Crash dein Buy & Hold – Unternehmen nicht direkt betrifft bzw. mit diesem zusammenhängt kannst du ihn einfach als Gelegenheit für günstiges Nachkaufen ansehen.

Halte dich eisern an folgendes Prinzip:

Solange die Gründe für dein Investment weiterhin Bestand haben solltest du einen Verkauf nicht in Erwägung ziehen und bei entsprechendem Investitionsbudget eher eine Ausweitung deiner Position in Betracht ziehen.

Denke immer daran: Auf lange Sicht wird der Aktienmarkt stetig eine steigende Tendenz haben. Und wer wenn nicht ein gut geführtes, finanziell stabiles und profitables Unternehmen soll diese Entwicklung tragen?

Die Vorteile

Nun hast du erfahren, was sowohl vor als auch nach der Investition zu beachten ist.

Doch warum solltest du überhaupt nach dem Buy & Hold Prinzip investieren, wo man doch auf vielen Social Media Seiten von Daytrading, CFDs und binären Optionen und dem damit angeblich verbundenen schnellen Reichtum hört?

Buy & Hold weist einige Vorteile auf, von denen man bei keiner anderen Handelsstrategie in dem Maße profitieren kann.

Kosten- und Steuereffizienz

Jede Transaktion, also ein Kauf oder Verkauf, ist immer mit Kosten verbunden. Diese Kosten schmälern automatisch deine Gesamtperformance, da man sie quasi als Verluste verbuchen kann.

Selbstverständlich ist Aktienhandel ohne Transaktionen nicht möglich, jedoch empfiehlt es sich, diese auf ein Minimum zu beschränken.

Da man mit Buy & Hold das Grundprinzip verfolgt, an seinem Investment möglichst lange festzuhalten, geht damit man logischerweise eine deutlich geringere Transaktionsmenge einher und man hat dementsprechend niedrigere Kosten als Anleger, die ständig „von einer Aktie zur nächsten springen“.

Als groben Richtwert für die Kosten einer Transaktion kannst du von circa 10€ zuzüglich 0,25% des Ordervolumens ausgehen. Dies klingt natürlich erst einmal nach nicht besonders viel, kann sich aber, wenn man ein sehr „aktiver Trader“ ist, schnell zu einer stattlichen Summe aufsummieren.

Deutlich gravierender wird der Unterschied zwischen Buy & Hold und anderen Handelsstrategien beim Thema Steuern.

Angenommen, du hast eine Aktie zu einem Stückpreis von 100€ gekauft und willst sie nun, da du mit ihr schon 50% Gewinn erzielt hast, für 150€ verkaufen und den „Gewinn realisieren“.

Bei einem gewinnbringenden Verkauf werden jedoch automatisch 25% deines Veräußerungserfolgs in Form der Abgeltungssteuer einbehalten und von deinem Broker an den Fiskus abgeführt (sofern der jährliche Freibetrag von 801€ überschritten wurde).

Du erhälst also effektiv nicht 150€, sondern nur 137,50€ je Aktie. Deine Performance liegt dementsprechend nach der Veräußerung netto bei nur noch 37,5%.

Das große Problem hierbei ist nun, dass du auch nur diese 137,50€ und nicht 150€ reinvestieren kannst und somit ein geringerer Betrag verzinst wird, als wenn du an deinem alten Investment festgehalten hättest.

Um dir den gewaltigen Unterschied zu verdeutlichen:

Erzielst du nach der Veräußerung deiner „alten Aktie“ mit dem neuen Investment (Investitionsbudget von 137,50€ ) eine Rendite von 20%, verbuchst du einen Gesamtbetrag von 165€.

Hälst du an deiner ursprünglichen Investition (Stückpreis 150€) fest und erzielst mit dieser im gleichen Zeitraum nur  10%  landest du ebenfalls bei 165€.

In diesem Beispiel musst du also, um den steuerlichen Nachteil auszugleichen, mit der Neuinvestition eine doppelt so hohe Rendite erzielen, um die selbe Netto-Performance zu erreichen.

Je höher dein Veräußerungserfolg ausfällt, desto stärker wirkt sich dieser Effekt aus (bei einem Verkauf bei 60% Gewinn würde also nicht einmal die doppelte Performance ausreichen, um auf dasselbe Gesamtergebnis zu kommen).

Wie so häufig kann die Quintessenz niemand besser auf den Punkt bringen als Warren Buffett:

„Hin und Her macht Taschen leer“

Zeiteffizienz

Natürlich ist das Finden und ins Detail gehende Analysieren potenziell interessanter Buy & Hold – Titel sehr zeitaufwendig. Hast du diesen Prozess jedoch abgeschlossen, ist die Arbeit so gut wie getan.

Danach musst du lediglich in überschaubaren Zeitabständen überprüfen, ob alle gewünschten Parameter deines Unternehmens noch passen. Wenn du eine solche Prüfung quartalsweise (aller 3 Monate) durchführst, sollte das in der Regel völlig ausreichend sein.

Demgegenüber ist das permanente Suchen nach noch besseren Investitionsgelegenheiten und der Versuch, Börsenstimmungen abzutimen und nach charttechnischen Signalen tagesaktuell zu handeln, extrem mühsam und zeitintensiv.

Dass man unter diesem permanenten Zeitdruck selten qualitativ hochwertige Analysen durchführen kann ist kaum zu vermeiden, worunter fast zwangsläufig die Rendite leiden wird.

Irrationale Marktschwankungen haben keinen Einfluss

Dein Smartphone leuchtet auf und du liest die Finanzen.net Push-Nachricht:

“ (xxx politische, gesellschaftliche oder wirtschaftliche Pseudokrise) reißt Dax in die Tiefe: Minus 15%!“

Während andere Trader, die noch am Vortag den festen Plan hatten, eine bestimmte Aktie genau heute zu verkaufen, der Verzweiflung nahe sind, kannst du als Buy & Hold Anleger ganz entspannt bleiben.

Auf allen Finanzseiten liest du zwar von grauenhaften Verlusten, es hat sich faktisch jedoch nichts für dich verändert:

Du besitzt weiterhin noch die selbe Anzahl von Aktien deiner jeweiligen Unternehmen, deren Werte absolut nichts mit einer davon entkoppelten Krise zu tun haben.

Es bietet sich dir lediglich die Gelegenheit, Aktien toller Unternehmen unter ihrem eigentlichen Wert zu erwerben.

Für wen Buy & Hold geeignet ist

Ist Buy & Hold nun also die ultimative Anlagestrategie? – Jein.

Die signifikanten Vorteile des Buy & Hold – Investierens sind unbestreitbar, jedoch ist diese Handelsart nur für dich geeignet, wenn du über einen langfristigen Anlagehorizont verfügst.

Das bedeutet konkret, dass du das investierte Kapital nicht in naher Zukunft wieder aus deinem Investment herausziehen willst und dementsprechend bereit bist, auf eine positive Entwicklung einige Zeit zu warten.

Dies beinhaltet auch, dass du die nötige Geduld und Nervenstärke aufbringen musst, an deiner Strategie festzuhalten, auch wenn du dich zwischenzeitlich in der Verlustzone befindest.

Du solltest weiterhin nicht das Ziel haben, sehr schnell sehr  reich werden zu können mit deinen Investments.

Wenn du also tatsächlich davon überzeugt bist, dass man mit Market-Timing und Charttechnik täglich Gewinne an der Börse erzielen kann, musst du hier dein Glück versuchen – Buy & Hold ist dann nicht attraktiv für dich.

Zwei wichtige Relativierungen müssen wir jedoch noch vornehmen:

Zum einen musst du keine kategorische „Buy & Hold oder aktives Trading“-Entscheidung treffen.

Auch wir haben, obwohl wir ganz klar der Buy & Hold – Fraktion angehören, Titel im Portfolio, wo wir bei einer aus unserer Sicht günstigen Bewertung zugeschlagen haben und bei Erreichen eines entsprechenden Kursniveaus eine Gewinnrealisierung durchaus vornehmen würden, wenn das Unternehmen ansonsten nicht zu 100% „Lifetime-Potenzial“ hat.

Zum anderen ist Buy & Hold keineswegs nur eine Handelsstrategie für Einzelaktien. Ganz im Gegenteil:

Besonders als eher unerfahrener Anleger ist eine ETF-Strategie in Verbindung mit Buy & Hold die quasi beste Variante überhaupt.

Mit ETFs, die sehr exakt die Entwicklung bestimmter Indizes wie z.B. des Dax` oder S&P 500 abbilden, partizipiert man im Prinzip 1:1 an der Entwicklung des Gesamtmarktes.

Man kombiniert hierbei also niedrigen Zeit- und Kostenaufwand und geringen Bedarf von Fachwissen mit passablen Renditen bei überschaubarem Risiko – es handelt sich hierbei also um die „Königslösung für jedermann“ (wie es das Beitragsbild zeigt 😉 ).

Fazit

Buy & Hold – viele sprechen davon, die wenigsten wissen aber wirklich, wie mit dieser grundlegenden Handelsstrategie zu verfahren ist.

Richtig angewandt handelt es sich ganz klar um die beste Methode, auf Marktniveau zu performen bzw. mit Einzelaktien den Markt langfristig outzuperformen.

Neben der nicht zu verachtenden Kosten – und Steuereffizienz (die wie unser Beispiel zeigt gravierend sein kann) führen vor allem die bei Buy & Hold einem Investment vorausgehenden tiefgehenden Unternehmensanalysen zum Erfolg.

Letztendlich ist die Gesamtperformance des Aktienmarktes nichts weiter als der Querschnitt von gut und schlecht gelaufenen Aktien.

Und wie könnte die Chance, die „Gewinner“ zu erwischen, größer sein, als wenn man durch eine sorgfältige Prüfung eine Fülle gewichtiger Gründe dafür gefunden hat, dass die Zukunft der jeweiligen Unternehmen blendend aussehen wird?

Zusammenfassend wollen wir also konstatieren, dass Buy & Hold ein absoluter Eckpfeiler jeder auf langfristigen Erfolg ausgerichteten Börsenstrategie sein sollte, sowohl für unerfahrene Anleger als auch für „professionelle“ Investoren.


Bullen- und Bärenmarkt

Antizyklisches Investieren - Gegen den Strom zum Erfolg?!

Was würdest du antworten, wenn dich jemand fragt, ob du dich eher in der Gruppe oder als Einzelgänger wohlfühlst?

Würden wir 100 Leuten diese Frage stellen, würden ungefähr 95 von ihnen angeben, dass sie sich in der Gruppe wohler fühlen.

Das ergab zumindest erst kürzlich eine Studie von Wissenschaftlern der Universität Leeds.

„Wir Menschen sind genetisch darauf programmiert, Herdentiere zu sein. Wir lebten die meiste Zeit als Jäger und Sammler in kleinen Gruppen.“

So umschrieb 2012 der US-amerikanische Sozialwissenschaftler Ben Zablocki die Tendenz, dass wir in den meisten Lebenssituationen das tun, was der Großteil unserer Mitmenschen auch tut.

Egal in welchem Bereich: Folgt man dem generellen Trend, fühlt man sich sicher und wird in seinem Handeln logischerweise von vielen seiner Mitmenschen bestätigt.

„Wenn so viele Leute es auf diese Art machen, kann es nicht falsch sein.“ – Diese Haltung ist bei den meisten von uns tief verankert.

Handelt man jedoch gegen den allgemeinen Konsens, ist man häufig direkt in der Position, sich rechtfertigen zu müssen und muss sich der Kritik der anderen aussetzen.

Dieser Weg ist viel anstrengender und erfordert einiges an Charakterstärke und Selbstvertrauen.

Scheitert man auf seinem eigenen Weg, hört man dann häufig: „Ich habs dir doch gesagt.“

Doch warum ist das so?

Sehr wahrscheinlich geht dieses Denk- und Handlungsmuster auf unsere evolutionären Wurzeln zurück.

Vor Millionen von Jahren waren unsere Vorfahren Jäger und Sammler und agierten grundsätzlich in Gruppen.

Das hatte viele Vorteile: Man konnte sich gegenseitig unterstützen und war in der Gemeinschaft viel besser gewappnet gegen alle urzeitlichen Gefahren, sei es bei Angriffen von Raubtieren oder bei der Nahrungsmittelsuche.

Wenn man aus der Gruppe verstoßen wurde, reduzierten sich die Überlebenschancen massiv. Somit war man stets bestrebt, in der Gruppe zu bleiben.

Dieses Handlungsmuster unserer Vorfahren hat sich in unsere Genetik eingebrannt und bestimmt damit noch heute oft unser Leben.

In den meisten Bereichen ist die sogenannte „Schwarmintelligenz“ auch durchaus von Vorteil.

Doch auch beim Investieren? Wir glauben, dass genau das Gegenteil der Fall ist.

Warum, wollen dir in diesem Artikel näher erläutern.

Antizyklisches Investieren- Was bedeutet das eigentlich?

Die Erklärung steckt bereits in der Bezeichnung: „Antizyklisch“ heißt nichts weiter als „entgegen des Zyklus“.

Vereinfacht ausgedrückt steckt hinter dem Konzept des antizyklischen Investierens die Idee, in Phasen steigender Märkte („Hausse“) zu verkaufen und in Krisenzeiten oder fallenden Märkten („Baisse“) zu kaufen.

Es handelt sich genauer gesagt also um eine sogenannte Timing-Strategie, das heißt, dass das Konzept des antizyklischen Investierens dir einen Anhaltspunkt gibt, wann der richtige Zeitpunkt zum Investieren ist.

Das Wort „anti“ ist hier sogar noch weitreichender: Wenn man antizyklisch investiert, handelt man auch entgegen eines Großteils der anderen Marktteilnehmer.

Intuitiv nehmen Menschen etwas positiver wahr, wenn es eine positive Tendenz hat und umgekehrt.

Die Wenigsten wollen ihr Geld in etwas investieren, dass sich im Abwärtstrend befindet. Doch genau darauf beruht antizyklisches Investieren.

Wir geben zu: Ganz leicht ist es nicht, auf diese Art zu investieren.

In Boomphasen überschlagen sich die Medien mit euphorischen Meldungen zum Aktienmarkt.

All-Time-Highs werden geknackt, Unternehmen erhöhen ihren Wert nahezu täglich und Experten finden immer neue Gründe, warum die Hochphase noch lange nicht vorbei ist.

Wer will in so einer Zeit verkaufen und bei den möglichen künftigen Anstiegen nicht mehr dabei sein?

Vielleicht noch ein Stück schwieriger ist es in Krisen – oder gar Crashzeiten: Der Wert deines Depots sinkt immer weiter und die ganze Finanzwelt ist in Aufruhr.

„Dax 30% im minus – und ein Ende ist noch lange nicht in Sicht“

„Retten sie ihr Geld, bevor es zu spät ist!“

„Der Tod der Aktie“

Wer wird bei solchen Schlagzeilen nicht panisch?

Dir scheint dein hart erarbeitetes Geld immer mehr zu entrinnen. Experten sprechen gar vom völligen Zerfall des Aktienmarktes.

Du grübelst eifrig, ob es nicht besser wäre, jetzt auch zu verkaufen und wenigstens das zu retten, was noch übrig geblieben ist.

Und in so einer Situation raten dir unique investors,  auch noch nachzukaufen? – Undenkbar!

Diese Emotionen sind völlig menschlich und mir ging es während des Einbruchs im Zuge der China-Krise im Januar 2016 ähnlich.

Mein Aktienportfolio verlor beträchtlich an Wert und besonders meine am stärksten gewichtete Position, Hypoport AG, wurde heftig getroffen.

Ich erinnere mich noch genau, wie ich damals, mit noch wesentlich weniger Börsenerfahrung, zu Benedikt sagte:

„Hypoport ist jetzt von 80€ auf 50€ (mein Einstiegskurs: 39€) gefallen. Vielleicht erholen sie sich wieder etwas, aber seien wir ehrlich: Den alten Wert werden sie doch nie wieder erreichen!“

Zum Glück behielt ich, auch durch gutes Zureden von Benedikt, die Nerven und widerstand Panik-Verkäufen.

Leider war auch ich zu dieser Zeit noch nicht weit genug, um antizyklisch zu investieren und dementsprechend nachzukaufen.

Mittlerweile notiert Hypoport bei deutlich über 100€ pro Aktie.

Aus unserer Sicht sprechen viele Argumente für diese Strategie, die dir langfristig zu überdurchschnittlichen Renditen verhelfen kann.

Die Gründe für antizyklisches Investieren

Euphorie, Panik, Angst – all das sind Emotionen.

Besonders in extremen Phasen auf den Aktienmärkten spielen Gefühle eine entscheidende Rolle.

Und genau hier liegt der Vorteil von antizyklischem Investieren: In diesen Zeiten neigen viele Marktteilnehmer dazu, irrational zu handeln.

Sie lassen sich von der allgemeinen Grundstimmung, ob extrem positiv oder negativ, mitreißen.

Es kommt zu großen Übertreibungen. Häufig ist in Boomphasen zu beobachten, dass Unternehmen trotz negativer Entwicklungen und eigentlich schlechter Zukunftsaussichten im Wert steigen.

Genauso läuft es umgekehrt in Krisenzeiten auf den Aktienmärkten:

Fundamental hervorragend aufgestellte Firmen, die in allen Bereichen die Erwartungen übertreffen, erleiden dennoch Verluste.

Warum? Weil Aktienkurse einzig und allein aus dem Verhältnis von Angebot und Nachfrage resultieren.

Und wenn die Aktien eines „schlechten“ Unternehmens aufgrund allgemeiner Euphorie nach wie vor enorm gefragt sind, wird der Kurs auch weiterhin steigen.

Genauso kann ein Aktienkurs, egal wie gut das dazugehörigen Unternehmen ist, einem Verfall nicht widerstehen, wenn viele Anleger ihre Papiere panisch auf den Markt werfen.

Und genau in diesem Moment schlägt ein antizyklischer Investor, auch „Contrarian“ genannt, zu:

Er kauft hervorragende Aktien zu einem aufgrund der Panik der anderen Anleger günstigen Preis bzw. verkauft Werte, die durch die Euphorie der Massen in völlig übertriebene Höhen geschnellt ist.

Der berühmte Leitspruch lautet:

„Sei gierig, wenn andere ängstlich sind und ängstlich, wenn andere gierig sind!“ 

Berühmte Contrarian-Vertreter sind z.B. André Kostolany oder Warren Buffett.

Wir sind davon überzeugt, dass diese Investoren-Legenden einen Teil ihres sagenhaften Erfolges der Strategie des antizyklischen Investierens zu verdanken haben.

Nun gut, man soll also in Boomzeiten verkaufen und in Krisenphasen kaufen – doch woran erkennt man, dass es Zeit ist, zu handeln?

Was sind Anzeichen von Übertreibungen oder unverhältnismäßigen Abwertungen?

3 Signale, an denen du Übertreibungen auf den Aktienmärkten erkennst

1. Medien

Das wohl beste Signal für einen temporär stark „irrationalen“ Markt sind die Medien:

Wenn in Presse und Fernsehen Untergangsszenarien gezeichnet werden, kannst du davon ausgehen, dass viele andere Anleger panisch werden und die Kurse unverhältnismäßig stark nach unten drücken.

Analoges gilt, wenn jeden Tag neue, euphorische Meldungen über einen nicht enden wollenden Gipfelsturm aller Indizes kommen.

Alle wollen von der scheinbaren „Goldgrube“ Aktien profitieren und kaufen wahllos Unternehmen. die im Zuge dessen zu einer überzogenen Bewertung gelangt sind.

2. Jeder spricht über Aktien

André Kostolany drückte es in seinem hervorragenden Buch „Die Kunst über Geld nachzudenken“ folgendermaßen aus:

„Bat mich beispielsweise der Pilot ins Cockpit, um ein paar Tipps zu erfahren, oder fragte mich meine Caféhausbedienung, ob man Daimler oder besser IBM kaufen sollte, spürte ich, dass der Markt heißgelaufen war.“

Wenn du demgegenüber beim Erwähnen des Themas Aktien&Investment in deinem Umfeld auf starke Ablehung stößt, kannst du erahnen, dass gerade ein guter Einstiegszeitpunkt ist.

3. Keine Reaktion auf gute oder schlechte Nachrichten

Boomt die Wirtschaft und übertreffen die Unternehmen reihenweise die Erwartungen, ohne dass sich der Aktienkurs steigert, deutet das oft auf einen überkauften Markt hin und ein Investment kann sehr sinnvoll sein.

Werden stetig schwächere Ergebnisse ausgewiesen als erwartet, worauf die Kurse aber nicht mit Einbrüchen reagieren, ist der Markt oder die einzelne Aktie sehr häufig überkauft und du solltest darüber nachdenken, auszusteigen.

Obwohl es oft heißt, dass es nicht möglich ist, den Markt perfekt „abzutimen“:

Zumindest tendenziell ist es aber gut möglich, die grobe Marktphase zu erahnen, wenn du auf die obigen Anzeichen achtest.

Fassen wir also kurz zusammen:  Ein antizyklischer Investor erkennt die Marktphase und handelt dann entschlossen.

Doch reicht das, um ein erfolgreicher Antizykliker zu sein?

Wir sind der Meinung, dass du vor allem 3 Fähigkeiten brauchst, um zu einem guten Contrarian zu werden:

3 Eigenschaften, die du als antizyklischer Investor haben musst

1. Mut & Charakterstärke

Die ganze Finanzwelt liegt scheinbar in Trümmern, alle jammern, wie schlimm sie getroffen wurden und von überall hörst du:

„Lassen Sie jetzt ja die Finger von Aktien!“

Um in so einer Phase entgegen der Meinung aller zu investieren, benötigt man die berühmt berüchtigten „Eier“.

Vermutlich werden dich all deine Freunde und Bekannte für verrückt erklären und dir bei weiteren Einbrüchen noch mehr an den Kopf schmeißen, dass du alles falsch machst.

In so einer Situation können wir dir nur ans Herz legen:

Zeige Charakter und behalte die Nerven!

2. Liquidität

Wie wir schon in unserem Artikel Anlageformen & Kapitalaufteilung erwähnt haben, hat Liquidität, also sofort verfügbares Geld auf deinem Konto, eine äußerst wichtige Rolle in deinem Portfolio.

Für einen antizyklischen Investor ist Liquidität eine absolute Grundvoraussetzung.

Hast du nicht genügend Geld zur Verfügung, um im Crash handeln zu können, wirst du auch von der besten Einstiegsgelegenheit nicht profitieren können.

Es kann sogar noch schlimmer kommen:

Ist dein Liquiditätsanteil sehr niedrig und du benötigst aber für andere Ausgaben (Autoreparatur, Hochzeit etc.) einen beträchtlichen Betrag, kannst du gezwungen sein, Aktien zu verkaufen.

Wenn sich der Markt dann zu diesem Zeitpunkt gerade mitten in einer Abwärtsbewegung befindet, musst du wohlmöglich viel zu billig verkaufen.

Dies ist ein Worst-Case-Szenario, was dir unter keinen Umständen passieren sollte!

3. Zeit & Geduld

Wenn der Aktienmarkt gerade im Fallen ist, kann niemand genau sagen, wann die Gegenbewegung kommen wird.

Bei den letzten kleinen Krisen, dem China-Crash und dem Brexit, dauerte die Baisse nur einige Wochen.

Im Zuge des Brexits hatte ich aus meinem Fehler während der China-Krise gelernt und direkt am Morgen der Bekanntgabe des Votums bei Hypoport zu einem Kurs von 70€ je Aktie zugeschlagen.

Es ist durchaus möglich, dass ein „Bärenmarkt“ (Phase fallender Kurse) einige Jahre andauert.

Hier musst du Geduld beweisen und an die Sinnhaftigkeit deines Investments glauben.

Egal wie viele Rücksetzer noch kommen –  als antizyklischer Investor musst du eisern an deiner Idee festhalten (solange deine Investitionsgründe auch noch Bestand haben).

Ganz wichtig ist, dass du einen langfristigen Anlagehorizont hast.

Wenn du nur einmal für ein paar Monate mit Aktien zocken willst und schnelle Gewinne erzielen willst, ist antizyklisches Investieren nicht für dich geeignet.

Auch wenn all das dir einleuchtet und du jetzt meinst, dass eine antizyklische Herangehensweise genau das Richtige für dich ist, wollen wir das ganze etwas relativieren:

Antizyklisches Investieren ist nicht DIE ultimative Investment-Strategie.

Deshalb wollen wir dir noch einige Hinweise mit auf den Weg geben.

Einschränkungen – Was du beachten solltest

Du solltest das Konzept der Antizyklik defintiv nicht als generelles Credo verstehen!

Mehr noch: In Bezug auf die Handlungsanweisung, teuer zu verkaufen, vertreten wir eine etwas davon abweichende Haltung:

Für gute und langfristig wachstumsstarke Unternehmen lautet die beste Haltedauer: Für immer!

Wenn die Aktien eines Unternehmens seit langem kontinuierlich gestiegen sind und der Gesamtmarkt ebenfalls boomt, heißt das nicht zwingend, dass jetzt ein Verkaufszeitpunkt gekommen ist.

Prüfe für jeden einzelnen Aktientitel separat:

Ist die Aktie nur gestiegen, weil der Gesamtmarkt gestiegen ist?

Oder weil das Unternehmen tatsächlich stark aufgestellt ist und hervorragende Wachstumsaussichten besitzt?

Analog solltest du im Crash nicht wahllos die erstbesten Aktien kaufen.

Ein schwach geführter Konzern wird auch in einer Phase der Markterholung nicht unbedingt wieder steigen, wenn es dafür fundamental keine Gründe gibt.

Wir sind in der Vergangenheit gut damit gefahren, in Korrekturphasen Aktien von Unternehmen zu kaufen, die wir schon vor der Abwertung im Portfolio oder zumindest auf der Watchlist hatten.

So vermeidest du es, unbedachte Kaufentscheidungen zu treffen und legst automatisch bei Werten zu, die dich sowieso überzeugt haben.

Fazit

Fassen wir zusammen: Antizyklisches Investieren ist eine Timing-Strategie, mit der du es schaffen kannst, bei guten Unternehmen günstige Einstiegszeitpunkte zu finden.

Der wichtigste Punkt ist in unseren Augen, diese Strategie in Crashphasen im Hinterkopf zu haben.

Wenn andere panisch und ängstlich werden, solltest du kühlen Kopf bewahren und hervorragende Unternehmen zu günstigen Preisen kaufen.

Letztendlich kann es für einen guten antizyklischen Investor, der wirklich überzeugende Werte in seinem Portfolio hat, nie schlecht laufen auf dem Aktienmarkt:

In Krisenzeiten bietet sich ihm die Möglichkeit, in attraktive Unterbewertungen zu investieren.

Und in Boomphasen, wenn das Depot deutlich im grünen Bereich ist, lacht sowieso das Investoren-Herz.