Schach mit Krone

Buy & Hold Investing - Ist einmal kaufen und nie wieder verkaufen die beste Strategie?

„Gehen sie in eine Apotheke und kaufen sie Schlaftabletten. Danach kaufen sie sich eine Palette erstklassiger internationaler Aktien, nehmen die Tabletten und schlafen viele Jahre, ohne die Stürme und Gewitter an den Aktienmärkten zu hören, die in der Zwischenzeit toben. Wenn sie wieder aufwachen sind sie reich!“

So einfach formulierte Börsenlegende André Kostolany die seiner Meinung nach beste Börsenstrategie für jedermann. Kostolanys Rat liegen vor allem zwei Gedanken zu Grunde:

Zum einen, dass der Aktienmarkt auf lange Sicht trotz aller Schwankungen immer eine steigende Tendenz haben wird.

Zum anderen, dass die meisten Anleger ihr Geld während der „Stürme und Gewitter“, also den Crash-Phasen verlieren, wenn sie aus Angst vor noch größeren Verlusten Panikverkäufe tätigen.

Und genau an diesem Punkt soll Kostolanys Herangehensweise der „Fehler-Minimierer“ sein:

Durch das Credo der Inaktivität, welches er mit den Schlaftabletten versinnbildlicht, sollen die Anleger gar nicht in Versuchung kommen, von ihren Gefühlen beeinflusst zu werden und zu verkaufen.

Die Strategie lautet demnach:

Einmal kaufen und nie wieder verkaufen – ist dies also schon das „Buy and Hold“-Prinzip, wovon viele sagen es sei die „beste Strategie für den Aktienhandel“?

Zunächst einmal: Die Buy & Hold – Strategie erfreut sich in der Finanzwelt großer Beliebtheit. Warren Buffett, der wohl größte Investor aller Zeiten, gilt als bekanntester Buy & Hold-Vertreter.

Grund genug für uns, das ganze Thema etwas genauer für dich zu beleuchten und zu klären, ob es wirklich allein mit „Kostolanys Schlaftabletten“ getan ist.

Das Prinzip

1. Der Buy Prozess

Der alles entscheidende Schritt beim Buy & Hold – Investieren ist die Aktienauswahl.

Da man bei Buy&Hold das Ziel hat, die ausgewählten Titel möglichst lange zu halten und von deren langfristiger Entwicklung zu profitieren, sollten auch die Auswahlkriterien dementsprechend sein.

Die wichtigsten Merkmale einer geeigneten Buy&Hold – Aktie

1. Geschäftsmodell

Auch eine „schwache“ Aktie kann kurzfristig durchaus attraktive Gewinne abwerfen, etwa wenn die pessimistischen Erwartungen der Analysten doch nicht gänzlich bestätigt wurden.

Bei Buy & Hold ist es aber weniger interessant, wie sich die Aktie in einem Monat entwickelt, sondern wie die Aussichten in den nächsten 10 Jahren sind.

Ohne ein grundsätzlich profitables und solides Geschäftsmodell wird keinem Unternehmen eine langfristig positive Zukunft bevorstehen.

Versuche deshalb bei der Auswahl deines potenziellen Investments zuerst zu verstehen, um was für ein Unternehmen es sich genau handelt und vor allem, wie es Geld verdient.

Das klingt zunächst einfacher, als es in der Realität manchmal ist. Besonders im Zeitalter der zunehmenden Digitalisierung werden Geschäftsmodelle immer komplexer und undurchsichtiger.

Achte deshalb darauf, deinen „Circle of Competence“ nicht zu verlassen. Nur wenn du das Unternehmen von Grund auf verstehst kannst du auch seine langfristigen Zukunftsaussichten beurteilen.

2. Management

Das beste Geschäftsmodell nutzt wenig, wenn es nicht richtig gemanagt wird. Ein ganz wichtiger Faktor für deine Aktienauswahl ist daher das Management des Unternehmens.

Schaue dir genau an, wie die Führungsetage strukturiert ist, wie hoch die Fluktuation in der Vergangenheit war, welche Qualitäten und Referenzen die einzelnen Entscheidungsträger mitbringen und wie hoch die Identifikation mit dem eigenen Unternehmen ist.

Ein aussagekräftiger Indikator kann zum Beispiel sein, dass Teile des Top-Managements das Unternehmen mit aufgebaut haben. Weiterhin ist es nicht das schlechteste Zeichen, wenn die Führungskräfte selbst investiert sind, also Aktien „ihres Unternehmens“ auch privat halten.

Zum einen zeigt das den eigenen Glauben an die positive Entwicklung des Unternehmens. Zum anderen kannst du dadurch davon ausgehen, dass die Firmenpolitik eher „Aktionär-freundlich“ sein wird, der „Shareholder Value“ also bei allen Entscheidungen eine gewichtige Rolle spielen wird.

Letztendlich musst du dir die Frage stellen, ob die handelnden Personen die sind, denen du dein Geld anvertrauen willst oder nicht.

3. Branchenperspektive, Marktposition und Unternehmenskultur

Ebenfalls von eminent wichtiger Bedeutung ist der Markt bzw. die Branche, in der das Unternehmen tätig ist und die Position, welche sie in dieser innehat.

Vor allem in der heutigen Zeit, wo Technologien herkömmliche Herangehensweisen immer mehr verdrängen, solltest du hier sehr vorsichtig sein.

Auch wenn das Unternehmen in seiner Branche Marktführer ist nützt das wenig, wenn diese Branche kurz  vor dem Aussterben steht.

Wichtig ist heutzutage vor allem die Adaptionsfähigkeit eines Unternehmens, d.h. wie schnell es auf technische Neuerungen reagieren kann und diese sinnvoll in die eigene Produktpalette integrieren kann.

Ebenso ist Innovationsfreudigkeit entscheidend: Ist das Unternehmen Treiber von technischen Neuerungen oder läuft es dem Markt immer nur hinterher?

Ein absoluter Bonuspunkt ist zudem, wenn das Unternehmen einen sogenannten „Burggraben“  hat, also ein Merkmal, welches nicht ohne weiteres von der Konkurrenz kopiert werden kann und deshalb eine besonders starke Kundenbindung besteht.

Ein Paradebeispiel hierfür ist Coca-Cola, die Lieblingsaktie von Warren Buffett: Auch wenn andere Getränkehersteller ihre Rezeptur noch so toll verfeinern und köstliche Softdrinks herstellen – eine so weltbekannte und attraktive Marke, wie sie Coca Cola ist, kann man nicht von heute auf morgen kreieren.

4. Fundamentale/ finanzielle Situation

Ohne eine finanziell solide Grundstruktur wird auf lange Sicht kein Unternehmen überleben.

Achte deshalb auch auf die Fundamentaldaten: hohe Eigenkapitalrendite, niedriger Verschuldungsgrad, hohe Liquidität (Cashreserven), stetig steigende Umsätze, Cashflows und Gewinne.

Keiner dieser Parameter ist ein absolutes Ausschlusskriterium, jedoch muss das „fundamentale Gesamtbild“ passen, um serös von einem langfristig ertragreichen Investment ausgehen zu können.

5. Langfristige Vision

Diesen letzten Punkt kannst du als „Zusammenführung“ der vorher genannten verstehen: Für eine geeignete Buy & Hold Aktie ist es vor allem wichtig, dass du eine langfristige Vision für die Zukunft des Unternehmens hast.

Fügen sich die qualitativen und quantitativen Kriterien deiner Meinung nach so zusammen, dass du dir grundsätzlich vorstellen kannst, die Aktie für immer halten zu können?

Nur wenn du vollständig davon überzeugt bist, dass das Unternehmen sowohl für die nahe als auch die ferne Zukunft bestens aufgestellt ist, kommt sie für deine Buy & Hold Strategie in Frage.

Und wie sieht es mit dem Einstiegszeitpunkt, der gegenwärtigen „Börsenstimmung“ und anderen häufig als „Kaufgründe“ angegebenen Kriterien aus?

Welche Kriterien für Buy & Hold kaum bis keine Bedeutung haben

1. Preis / „Günstigkeit“ der Aktie

„Es ist wesentlich besser, ein wundervolles Unternehmen zu einem fairen Preis zu kaufen, als ein faires Unternehmen zu einem wundervollen Preis zu erwerben.”

Der Erfolg eines Buy & Hold Investments steht und fällt mit der Qualität des Unternehmens, getreu dem Spruch „auf Dauer setzt sich Qualität immer durch“.

Du solltest also der grundsätzlichen Werthaltigkeit deines potenziellen Investments wesentlich mehr Bedeutung schenken als der Frage, ob eine Aktie gerade „günstig bewertet“ ist.

2. Allgemeine Börsenstimmung

„Die Kurse sind gerade allgemein viel zu hoch, ich warte erstmal bis zum nächsten Crash und steige dann ein.“ – Wie oft hört man von dieser Herangehensweise.

Dahinter steckt der Irrglaube, man könnte „den Markt abtimen“, also genau feststellen, wann der Markt kurz vor der nächsten Korrektur steht und wann im Crash der tiefste Punkt erreicht ist.

Zu Market-timing vertreten wir eine klare Ansicht – es ist nicht möglich. Die Einflüsse auf den Gesamtmarkt, seien sie wirtschaftlich, politisch oder gesellschaftlich, sind so vielfältig, dass genaue zeitliche Verläufe einfach nicht verlässlich vorhersehbar sind.

Ein aktuelles Beispiel: In den letzten Monaten hat der Aktienmarkt eine klare Aufwärtstendenz gezeigt, was viele schon wieder dazu bewogen hat zu sagen, dass der nächste Crash „bald kommen muss“.

Der nächste Crash wird ganz sicher kommen- wann, weiß aber niemand genau. Der Dax kann jetzt noch 3 Jahre weiter steigen, 19 000 Punkte erreichen und dann verherrende 20% fallen auf gut 15 000 Punkte.

Der Aufschrei in den Medien würde garantiert riesig sein, jedoch wäre das Kursniveau selbst in der schlimmsten Krisenphase höher als derzeit.

Genauso kann man heute eine hervorragende Buy & Hold Aktie kaufen und am nächsten Tag können die Kurse alle massiv zusammenbrechen. Doch hast du dann wirklich etwas verloren?

Du besitzt auch im Crash die gleiche Anzahl an Aktien des Unternehmens, folglich auch die selben Unternehmensanteile.

Und nur weil wegen irgend eines politischen Ereignisses viele Anleger in Panik verfallen und ihre Papiere auf den Markt werfen sinkt der reale Wert dieses Unternehmens nicht von heute auf morgen.

Der richtige Zeitpunkt für ein Buy & Hold Investment ist also immer dann, wenn deine Aktienanalyse abgeschlossen ist und du nach Abwägung aller relevanten Kriterien von dem jeweiligen Unternehmen überzeugt bist – ganz unabhängig davon, welche Untergangsszenarien Crashpropheten wie „Dr. Doom“ Marc Faber vorhersehen.

3. Vergangene Performance & charttechnische Signale

Man kann von Charttechnik, also dem Treffen von Kauf- und Verkaufsentscheidungen anhand von Kursverläufen, halten, was man will. Für Buy & Hold Investing ist sie aber definitiv kein gutes Kriterium.

Es spielt keine große Rolle, ob der Kurs einer potenziellen Buy & Hold Aktie „in den letzten Monaten schon 50% zugelegt hat“ oder gerade massiv gefallen ist.

Nur weil eine Aktie in letzter Zeit schon einen starken Anstieg hinter sich hat sollte dich das nicht von einem Kauf abhalten.

Qualitätsunternehmen werden auf lange Sicht auch nach großen Kurssprüngen weiterhin an Wert gewinnen.

Es wäre interessant zu erfahren, wie viele Anleger von einem Investment in z.B. Amazon in den letzten Jahren abgesehen haben, weil „die ja schon so stark gestiegen sind zuletzt“.

Konzentriere dich bei der Entscheidung, ob eine Aktie für ein Buy & Hold Investment für dich in Frage kommt, einzig und allein auf die qualitativen und quantitativen Kriterien.

Nur sie werden letztendlich für die langfristige Entwicklung des Unternehmens und damit der Aktie ausschlaggebend sein.

2. Der Hold Prozess

Nachdem du durch einen sorgfältigen Auswahlprozess die aus deiner Sicht perfekten Buy & Hold Titel ausgewählt hast könntest du dich, wenn du dich an Kostolanys Rat hälst, einfach zurücklehnen und in vielen Jahren das dann hoffentlich hervorragende Ergebnis feiern.

Doch ist es wirklich so einfach? Wir meinen nein und finden, dass die Bezeichnung der Strategie unvollständig ist – perfekt angewandt müsste sie lauten:

Buy & Hold – and Check!

Du solltest also fortlaufend überprüfen, ob die Kriterien, die zu deinem Investment geführt haben, auch zum jetzigen Zeitpunkt noch in dieser Form Bestand haben oder ob sich die Gegebenheiten grundlegend verändert haben.

Besonders heutzutage, da sich Geschäftsmodelle und Marktstrukturen viel schneller verändern als im vergangenen Jahrhundert, ist dieses Vorgehen quasi unverzichtbar.

Prüfe also in regelmäßigen Abständen immer wieder: Sind die Zukunftsaussichten des Unternehmens auch weiterhin so gut, wie ich sie damals beurteilt habe?

Versuche dabei eine gute Balance zwischen Realismus und Geduld zu halten.

Einerseits braucht es manchmal etwas Zeit, damit sich ein tolles Geschäftsmodell auch wirklich am Markt durchsetzt und die mit deinem Investment verknüpfte Vision sich bewahrheitet.

Andererseits solltest du nicht zu eitel sein einzugestehen, dass deine Einschätzungen rückblickend nicht optimal waren oder bestimmte Veränderungen den zukünftigen Erfolg negativ beeinträchtigen werden und das von dir ausgewählte Unternehmen vielleicht doch nicht (mehr) für Buy & Hold geeignet ist.

Du solltest jedoch „Check“ bzw. regelmäßige Prüfung nicht missverstehen und auf die kurzfristige Performance deines Investments beziehen.

Aus diesem Grund solltest du auch bei der „50/50-Strategie“ vorsichtig sein: Diese sieht vor, immer die Hälfte der Aktien von einem Unternehmen zu verkaufen, mit dem man einen Gewinn von 50% erzielt hat.

Beim Buy & Hold Investieren sollte das zentrale Entscheidungskriterium für Kauf- und Verkaufsentscheidungen immer die langfristige Zukunftsperspektive sein.

Solange du diese für intakt hälst, gibt es keinen Grund, an einen Verkauf zu denken bzw. von einem Kauf abzusehen.

Beschäftige dich deshalb nicht zu häufig damit, wie die Performance deines Investments zum aktuellen Zeitpunkt ausfällt, um irrationale Entscheidungen getrieben durch Angst (bei Kursverlusten) oder Gier (bei hohen Renditen) zu vermeiden.

Die einzige Ausnahme, wo du der kurzfristigen Performance Bedeutung schenken solltest, ist eine Crash-Phase: Hier hast du häufig die Möglichkeit, dein hervorragendes Investment zu einem sehr günstigen Preis noch einmal aufzustocken.

Wenn der Crash dein Buy & Hold – Unternehmen nicht direkt betrifft bzw. mit diesem zusammenhängt kannst du ihn einfach als Gelegenheit für günstiges Nachkaufen ansehen.

Halte dich eisern an folgendes Prinzip:

Solange die Gründe für dein Investment weiterhin Bestand haben solltest du einen Verkauf nicht in Erwägung ziehen und bei entsprechendem Investitionsbudget eher eine Ausweitung deiner Position in Betracht ziehen.

Denke immer daran: Auf lange Sicht wird der Aktienmarkt stetig eine steigende Tendenz haben. Und wer wenn nicht ein gut geführtes, finanziell stabiles und profitables Unternehmen soll diese Entwicklung tragen?

Die Vorteile

Nun hast du erfahren, was sowohl vor als auch nach der Investition zu beachten ist.

Doch warum solltest du überhaupt nach dem Buy & Hold Prinzip investieren, wo man doch auf vielen Social Media Seiten von Daytrading, CFDs und binären Optionen und dem damit angeblich verbundenen schnellen Reichtum hört?

Buy & Hold weist einige Vorteile auf, von denen man bei keiner anderen Handelsstrategie in dem Maße profitieren kann.

Kosten- und Steuereffizienz

Jede Transaktion, also ein Kauf oder Verkauf, ist immer mit Kosten verbunden. Diese Kosten schmälern automatisch deine Gesamtperformance, da man sie quasi als Verluste verbuchen kann.

Selbstverständlich ist Aktienhandel ohne Transaktionen nicht möglich, jedoch empfiehlt es sich, diese auf ein Minimum zu beschränken.

Da man mit Buy & Hold das Grundprinzip verfolgt, an seinem Investment möglichst lange festzuhalten, geht damit man logischerweise eine deutlich geringere Transaktionsmenge einher und man hat dementsprechend niedrigere Kosten als Anleger, die ständig „von einer Aktie zur nächsten springen“.

Als groben Richtwert für die Kosten einer Transaktion kannst du von circa 10€ zuzüglich 0,25% des Ordervolumens ausgehen. Dies klingt natürlich erst einmal nach nicht besonders viel, kann sich aber, wenn man ein sehr „aktiver Trader“ ist, schnell zu einer stattlichen Summe aufsummieren.

Deutlich gravierender wird der Unterschied zwischen Buy & Hold und anderen Handelsstrategien beim Thema Steuern.

Angenommen, du hast eine Aktie zu einem Stückpreis von 100€ gekauft und willst sie nun, da du mit ihr schon 50% Gewinn erzielt hast, für 150€ verkaufen und den „Gewinn realisieren“.

Bei einem gewinnbringenden Verkauf werden jedoch automatisch 25% deines Veräußerungserfolgs in Form der Abgeltungssteuer einbehalten und von deinem Broker an den Fiskus abgeführt (sofern der jährliche Freibetrag von 801€ überschritten wurde).

Du erhälst also effektiv nicht 150€, sondern nur 137,50€ je Aktie. Deine Performance liegt dementsprechend nach der Veräußerung netto bei nur noch 37,5%.

Das große Problem hierbei ist nun, dass du auch nur diese 137,50€ und nicht 150€ reinvestieren kannst und somit ein geringerer Betrag verzinst wird, als wenn du an deinem alten Investment festgehalten hättest.

Um dir den gewaltigen Unterschied zu verdeutlichen:

Erzielst du nach der Veräußerung deiner „alten Aktie“ mit dem neuen Investment (Investitionsbudget von 137,50€ ) eine Rendite von 20%, verbuchst du einen Gesamtbetrag von 165€.

Hälst du an deiner ursprünglichen Investition (Stückpreis 150€) fest und erzielst mit dieser im gleichen Zeitraum nur  10%  landest du ebenfalls bei 165€.

In diesem Beispiel musst du also, um den steuerlichen Nachteil auszugleichen, mit der Neuinvestition eine doppelt so hohe Rendite erzielen, um die selbe Netto-Performance zu erreichen.

Je höher dein Veräußerungserfolg ausfällt, desto stärker wirkt sich dieser Effekt aus (bei einem Verkauf bei 60% Gewinn würde also nicht einmal die doppelte Performance ausreichen, um auf dasselbe Gesamtergebnis zu kommen).

Wie so häufig kann die Quintessenz niemand besser auf den Punkt bringen als Warren Buffett:

„Hin und Her macht Taschen leer“

Zeiteffizienz

Natürlich ist das Finden und ins Detail gehende Analysieren potenziell interessanter Buy & Hold – Titel sehr zeitaufwendig. Hast du diesen Prozess jedoch abgeschlossen, ist die Arbeit so gut wie getan.

Danach musst du lediglich in überschaubaren Zeitabständen überprüfen, ob alle gewünschten Parameter deines Unternehmens noch passen. Wenn du eine solche Prüfung quartalsweise (aller 3 Monate) durchführst, sollte das in der Regel völlig ausreichend sein.

Demgegenüber ist das permanente Suchen nach noch besseren Investitionsgelegenheiten und der Versuch, Börsenstimmungen abzutimen und nach charttechnischen Signalen tagesaktuell zu handeln, extrem mühsam und zeitintensiv.

Dass man unter diesem permanenten Zeitdruck selten qualitativ hochwertige Analysen durchführen kann ist kaum zu vermeiden, worunter fast zwangsläufig die Rendite leiden wird.

Irrationale Marktschwankungen haben keinen Einfluss

Dein Smartphone leuchtet auf und du liest die Finanzen.net Push-Nachricht:

“ (xxx politische, gesellschaftliche oder wirtschaftliche Pseudokrise) reißt Dax in die Tiefe: Minus 15%!“

Während andere Trader, die noch am Vortag den festen Plan hatten, eine bestimmte Aktie genau heute zu verkaufen, der Verzweiflung nahe sind, kannst du als Buy & Hold Anleger ganz entspannt bleiben.

Auf allen Finanzseiten liest du zwar von grauenhaften Verlusten, es hat sich faktisch jedoch nichts für dich verändert:

Du besitzt weiterhin noch die selbe Anzahl von Aktien deiner jeweiligen Unternehmen, deren Werte absolut nichts mit einer davon entkoppelten Krise zu tun haben.

Es bietet sich dir lediglich die Gelegenheit, Aktien toller Unternehmen unter ihrem eigentlichen Wert zu erwerben.

Für wen Buy & Hold geeignet ist

Ist Buy & Hold nun also die ultimative Anlagestrategie? – Jein.

Die signifikanten Vorteile des Buy & Hold – Investierens sind unbestreitbar, jedoch ist diese Handelsart nur für dich geeignet, wenn du über einen langfristigen Anlagehorizont verfügst.

Das bedeutet konkret, dass du das investierte Kapital nicht in naher Zukunft wieder aus deinem Investment herausziehen willst und dementsprechend bereit bist, auf eine positive Entwicklung einige Zeit zu warten.

Dies beinhaltet auch, dass du die nötige Geduld und Nervenstärke aufbringen musst, an deiner Strategie festzuhalten, auch wenn du dich zwischenzeitlich in der Verlustzone befindest.

Du solltest weiterhin nicht das Ziel haben, sehr schnell sehr  reich werden zu können mit deinen Investments.

Wenn du also tatsächlich davon überzeugt bist, dass man mit Market-Timing und Charttechnik täglich Gewinne an der Börse erzielen kann, musst du hier dein Glück versuchen – Buy & Hold ist dann nicht attraktiv für dich.

Zwei wichtige Relativierungen müssen wir jedoch noch vornehmen:

Zum einen musst du keine kategorische „Buy & Hold oder aktives Trading“-Entscheidung treffen.

Auch wir haben, obwohl wir ganz klar der Buy & Hold – Fraktion angehören, Titel im Portfolio, wo wir bei einer aus unserer Sicht günstigen Bewertung zugeschlagen haben und bei Erreichen eines entsprechenden Kursniveaus eine Gewinnrealisierung durchaus vornehmen würden, wenn das Unternehmen ansonsten nicht zu 100% „Lifetime-Potenzial“ hat.

Zum anderen ist Buy & Hold keineswegs nur eine Handelsstrategie für Einzelaktien. Ganz im Gegenteil:

Besonders als eher unerfahrener Anleger ist eine ETF-Strategie in Verbindung mit Buy & Hold die quasi beste Variante überhaupt.

Mit ETFs, die sehr exakt die Entwicklung bestimmter Indizes wie z.B. des Dax` oder S&P 500 abbilden, partizipiert man im Prinzip 1:1 an der Entwicklung des Gesamtmarktes.

Man kombiniert hierbei also niedrigen Zeit- und Kostenaufwand und geringen Bedarf von Fachwissen mit passablen Renditen bei überschaubarem Risiko – es handelt sich hierbei also um die „Königslösung für jedermann“ (wie es das Beitragsbild zeigt 😉 ).

Fazit

Buy & Hold – viele sprechen davon, die wenigsten wissen aber wirklich, wie mit dieser grundlegenden Handelsstrategie zu verfahren ist.

Richtig angewandt handelt es sich ganz klar um die beste Methode, auf Marktniveau zu performen bzw. mit Einzelaktien den Markt langfristig outzuperformen.

Neben der nicht zu verachtenden Kosten – und Steuereffizienz (die wie unser Beispiel zeigt gravierend sein kann) führen vor allem die bei Buy & Hold einem Investment vorausgehenden tiefgehenden Unternehmensanalysen zum Erfolg.

Letztendlich ist die Gesamtperformance des Aktienmarktes nichts weiter als der Querschnitt von gut und schlecht gelaufenen Aktien.

Und wie könnte die Chance, die „Gewinner“ zu erwischen, größer sein, als wenn man durch eine sorgfältige Prüfung eine Fülle gewichtiger Gründe dafür gefunden hat, dass die Zukunft der jeweiligen Unternehmen blendend aussehen wird?

Zusammenfassend wollen wir also konstatieren, dass Buy & Hold ein absoluter Eckpfeiler jeder auf langfristigen Erfolg ausgerichteten Börsenstrategie sein sollte, sowohl für unerfahrene Anleger als auch für „professionelle“ Investoren.


Große Zahl 3

Das 3-Konten-Modell - Wie du ohne auf Lebensqualität zu verzichten effektiv sparen kannst

Johnny Depp weiß, wie man Geld verdient. Allein für seine Hauptrolle im neuen „Fluch der Karibik“ – Film streicht er sagenhafte 100 Millionen Dollar ein.

Er ist der bestbezahlte Schauspieler der Welt – und trotzdem pleite.

45 Luxusautos, 14 Traumhäuser (die natürlich auch extreme laufende Kosten verursachen), eine Yacht, 40 Angestellte, regelmäßige Privatjet-Flüge und vieles mehr – gegen so einen Lebensstil wirken selbst seine Mega-Gagen knapp bemessen.

Johnny Depp ist wohl das beste Beispiel dafür, dass finanzieller Erfolg wenig mit dem Einkommen zutun hat.

Johnny Depp als Jack Sparrow

Warum viele Menschen finanzielle Probleme haben

So wie dem Hollywood-Star geht es unheimlich vielen Menschen, wenn auch auf einem wesentlich niedrigeren Level.

Die Summen mögen zwar völlig verschieden sein, das Problem ist aber bei allen dasselbe:

Die Konsumausgaben sind mindestens genau so hoch wie das Einkommen – wodurch am Ende des Monats nie etwas übrig bleibt.

Ob die Rechnung nun 100 Mio. minus 100 Mio., 10 000 minus 10 000 oder 800 minus 800 lautet – das Ergebnis ist immer gleich:

0.

Passend dazu werden „witzige Sprüche“ im Internet wie „Am Ende des Geldes ist noch viel zu viel Monat übrig“ immer populärer.

Anscheinend ist chronische Geldknappheit heutzutage ein weit verbreitetes Phänomen.

Doch woran liegt das?

Ein Hauptproblem ist, dass viele einen völlig überzogenen Konsumanspruch haben.

Die Werbung oder der unterbewusste Drang nach Bedeutsamkeit erweckt oft falsche Vorstellungen, was man „haben muss“:

Hotelurlaube im Süden, ein neuer Flachbild-TV, häufige Kinobesuche, ständig neue Schuhe oder jeden Morgen ein Coffee to go.

„Man lebt ja nur einmal und muss sich auch mal etwas gönnen. Solange ich es mir leisten kann, ist es doch ok.“ 

Die meisten Leute wissen aber nicht, was es heißt, sich tatsächlich etwas „leisten“ zu können.

Für viele ist es genau das, was mit dem verfügbaren Geld auf dem Konto gerade so bezahlt werden kann.

Oftmals wird dieser Spielraum auch noch durch Dispo-Kredite, Ratenfinanzierungen oder Kreditkartenüberziehung erweitert.

Wenn man jeden Monat sein maximales Budget ausgibt, ist es völlig logisch, dass kein Geld mehr zum Sparen und Investieren übrig bleibt.

Warum sparen & investieren unverzichtbar ist

Viele glauben, dass es nur zwei Wege gibt:

Das Leben genießen und sich etwas gönnen oder sparsam sein und auf Luxus verzichten.

Das Wort „sparen“ hört sich für die meisten vor allem nach einem an – Verzichten.

Und es gibt auch einige Menschen, die wirklich sehr „sparsam“ sind und in allen Bereichen versuchen, so wenig Geld auszugeben wie möglich.

Dadurch „erhamstern“ sie sich über die Zeit oft eine ganz beträchtliche Summe und haben zumindest keine Geldprobleme.

Das ist aber weder das Ziel noch Sinn und Zweck der Sache.

Sparen soll deine Lebensqualität nicht senken, sondern erhöhen.

Das klingt auf den ersten Blick widersprüchlich.

Sparen hat doch damit zu tun, weniger Geld für die „schönen Dinge im Leben“ auszugeben. Wie kann es da die Lebensqualität auch noch erhöhen?

Das Ziel ist es aber nicht, auf Lebensqualität zu verzichten.

Stattdessen sollen unnötige Ausgaben effektiv eliminiert werden und wirkungsvoller Vermögensaufbau betrieben werden.

Nur so kannst du auf lange Sicht finanzielle Freiheit erreichen.

Um dies Monat für Monat zu schaffen, benötigst du ein simpel umsetzbares und automatisiertes Systemdas sogenannte 3-Konten-Modell.

Das 3-Konten-Modell – Wie es funktioniert

Das 3-Konten Modell dient dazu, Struktur in deine monatlichen Ausgaben zu bringen und eine gute Balance zwischen Konsum und Vermögensaufbau herzustellen.

Wie es der Name schon sagt, beruht es darauf, deine Finanzen mittels 3 separaten Konten zu organisieren.

Zur perfekten Umsetzung musst du die folgenden 5 Schritte gehen:

1. Überblick monatliche Nettoeinkünfte & Fixkosten

Zuerst musst du dir einen Überblick über deine monatlichen Ein- und Ausgaben verschaffen.

Stelle also fest, wie hoch deine monatlichen Einkünfte (Gehalt, Nebeneinkünfte, Sozialleistungen etc.) und Fixkosten (Miete, Versicherungen, Verträge etc.) in Summe sind.

2. Konsumausgaben analysieren

Nun gilt es, deine Konsumausgaben (Nahrungsmittel, Benzin, Kleidung etc.) genau zu analysieren und eine grobe Richtgröße zu ermitteln.

Um hier einen möglichst realistischen Wert zu finden, kann es dir helfen, einige Wochen all deine Ausgaben genau zu dokumentieren.

So hast du einen perfekten Überblick und kannst gleichzeitig überprüfen, wo du eher „unnötige“ Ausgaben getätigt hast.

3. Pauschale für Konsum festlegen & Einnahmen/Ausgaben ausbalancieren

Anhand der Analyse deiner Konsumausgaben legst du nun eine Pauschale fest, die dir monatlich maximal zur Verfügung steht.

Der entscheidende Schritt ist es, die Einnahmen- und Ausgabenseite jetzt perfekt auszubalancieren.

Dabei ist es essentiell wichtig, dich an diese Formel zu halten:

Fixkosten + Pauschale Konsumausgaben < 70% der Nettoeinkünfte

Die Summe deiner Fixkosten und Konsumausgaben darf also maximal 70% deiner Nettoeinkünfte betragen.

Dieser Aspekt ist DIE Basis des 3-Konten-Modells, damit du jeden Monat garantiert einen Überschuss von mindestens 30% erzielst.

Wenn die Rechnung bei dir noch nicht in der Form aufgeht, musst du versuchen, an jeder der drei Stellschrauben zu drehen.

Der leichteste Ansatz ist die Reduzierung deiner Konsumkosten-Pauschale.

Hier verschwendet man gewöhnlich am meisten Geld, da es immer nur „kleine Beträge“ sind, die scheinbar nichts ausmachen.

Ein Coffee to go hier, eine Pizza vom Lieferservice da, Markenprodukte wo es eigentlich auch das NoName-Produkt tun würde – die Einsparmöglichkeiten sind oft viel größer, als du denkst.

Auch einige Fixkosten sind nicht selten optimierbar.

Ob es nun der Stromanbieter, der Handytarif oder Versicherungen sind – durch eine genaue Überprüfung kannst du oftmals einige 100€ pro Jahr sparen.

Und natürlich kann es auch auf der Einnahmenseite Optimierungsmöglichkeiten geben:

Ein Jobwechsel, eine Nebentätigkeit, das genaue Überprüfen deiner Sozialleistungs-Ansprüche oder der Aufbau eines „eigenen Businesses“ – mit Kreativität und ein paar Prozent mehr „Leistungsbereitschaft“ ist auch hier eine Menge möglich.

Du kannst mit deiner Finanzplanung erst zum nächsten Schritt übergehen, wenn du den Mindestüberschuss von monatlich 30%  erreicht hast.

4. Einrichtung Daueraufträge für 2 separate Konten

Der nächste Schritt ist jetzt, die „freigelegten“ 30% zu verwalten.

Dazu empfehlen wir dir die Eröffnung von zwei separaten Konten, sodass du insgesamt über drei Konten verfügst.

Das Konto, auf das all deine Einkünfte eingehen, wird zu deinem Hauptkonto. Mit diesem deckst du sowohl deine Fix- als auch Konsumkosten.

Außerdem richtest du auf diesem zwei Daueraufträge auf deine weiteren Konten ein.

20% deiner Monatseinkünfte sollen automatisiert auf ein sogenanntes „Vermögensaufbau-Konto“ überwiesen werden.

Dieses sollte möglichst ein Tagesgeldkonto sein, zu dem du weder eine Giro- noch Kreditkarte hast, damit du es nicht spontan „aus einer Laune heraus“ anrühren kannst.

Die restlichen 10% überweist du dir automatisiert auf das „Spaßkonto“. Dieses kann gerne ein ganz normales Girokonto sein (möglichst kostenlos!).

Das Geld auf dem Spaßkonto ist dein monatliches Budget für allen „Luxus“ wie Eintritte für Events, Restaurantbesuche etc.

Mit diesem „Spaßkonto“ hast du jetzt einen genauen Überblick, was du dir an Luxus jeden Monat wirklich „leisten“ kannst. Selbstverständlich musst du das Budget nicht jeden Monat voll ausreizen und kannst auch einige Zeit auf etwas „größeres“ sparen.

5. Verwaltung Vermögensaufbau-Konto

Das mit 20% deiner Nettoeinkünfte besparte Vermögensaufbau Konto nutzt du zweigeteilt: Ein Teil davon fließt in Investments, während der andere Teil zum Liquiditätsaufbau verwendet wird.

Für Investments eignen sich vor allem monatliche Ansparpläne, insbesondere auf ETFs. Wie genau du hier vorgehen musst haben wir für dich im Artikel „Pay yourself first – Wie du auch mit wenig Geld ein großes Vermögen aufbaust“ behandelt.

Natürlich ist aber auch, je nach deinen Vorlieben, Fähigkeiten und deiner Finanzstärke – ein systematisches Investieren in Aktien, Gold, Bitcoins oder (wenn du enorm vermögend bist) Immobilien möglich.

Neben deinen Investments ist es ebenso wichtig, dir systematisch einen Liquiditätsbestand, also jederzeit verfügbares Geld, aufzubauen.

Sowohl als Rücklage für besondere, unvorhergesehene Ausgaben als auch um die Möglichkeit zu haben, in Phasen größerer Marktkorrekturen antizyklisch investieren zu können, kann ein solider Cashbestand sehr sinnvoll sein.

Untenstehend haben wir für dich ein Schema erstellt, wie das 3-Konten-Modell funktioniert:

Der Hintergrund: 3 Gründe, warum das System so gut funktioniert

Im Endeffekt sind Spar-Strategien ziemlich ähnlich zu Diäten: Sie sind nur so gut wie ihre Umsetzbarkeit.

Eine neue Diätform kann noch so ausgeklügelt sein – wenn es für den Durchschnittsbürger kaum möglich ist, sich an die Vorgaben zu halten, wird sie nicht funktionieren.

Ähnlich ist es beim Sparen. Wenn man permanent „verzichten“ muss und sich insbesondere der „schönen Dinge“ beraubt, wird schnell die Motivation sinken.

Das 3-Konten-Modell funktioniert erwiesenermaßen bei fast jedem erstaunlich gut. Doch warum?

Vor allem 3 Gründe sind dafür entscheidend:

1. Keine echte Disziplin erforderlich

Egal  in welchem Bereich: Erfolgreichen Menschen wird oft ein hohes Maß an „Disziplin“ nachgesagt.

Auch beim Sparen heißt es schnell: „Der geht sehr diszipliniert mit seinem Geld um!“

In Wahrheit sind aber nur ganz wenige Menschen wirklich von Natur aus diszipliniert. Das Geheimnis sind stattdessen Gewohnheiten und Automatismen.

Und genau hier macht es einem das 3-Konten-Modell sehr einfach.

Dadurch, dass die 30% des Nettoeinkommens per Dauerauftrag automatisch jeden Monat auf die beiden anderen Konten abgebucht werden, kann man sich kaum „dagegen wehren“ effektiv zu sparen.

2. Effizientere Ressourcenverwendung beim Konsum: Parkinsonsches Gesetz

Du kennst es vielleicht von Prüfungsterminen oder Deadlines für Abgaben: Umso knapper die Zeit wird, desto effizienter und zielgerichteter arbeitet man.

Hast du nur noch ein paar Stunden, um die letzten 10 Seiten für eine Klausur zu lernen, wirst du sicherlich nicht aller paar Minuten auf dein Handy schauen.

Ist der entscheidende Tag jedoch erst in mehreren Wochen, ist der Fokus selten genauso hoch.

Dieses Phänomen bezeichnet man als „Parkinsonsches Gesetz“.

Ähnlich ist es beim Geld: Hast du mehr als genug für die täglichen Ausgaben wie Nahrungsmittel zur Verfügung, ist man an vielen Stellen etwas großzügiger zu sich selbst oder schlicht weg fauler (Lieferservice-Essen etc.)

Die Krux dabei ist, dass solche Ausgaben selten wirklich deine Lebensqualität erhöhen, sondern du einfach viel öfter nachlässiger bzw. verschwenderischer bist.

An diesem Punkt setzt das 3-Konten-Modell an:

Dadurch, dass du aufgrund der Daueraufträge auf die anderen Konten nur 70% für Konsumausgaben zur Verfügung hast bist du quasi gezwungen, nicht zu verschwenderisch zu sein und die eigentlich unnötigen Ausgaben wegzulassen.

Du machst dir damit sozusagen das „Parkinsonsche Gesetz des Geldes“ zu Nutze.

3. Motivation und Wertschätzen von Luxus

Bei der Vorstellung des Systems hast du dich vielleicht gefragt, warum wir es nicht bei 2 Konten belassen haben, also nur ein Konsum – und ein Vermögensaufbaukonto.

Warum wird nochmal ein extra Spaß-Konto eingerichtet?

Es dient vor allem der Motivation und der klaren Trennung von „essenziellen“ Ausgaben (z.B. Miete oder Nahrungsmittel) und „Luxus“ (Kino etc.).

Man belohnt sich quasi jeden Monat für sein erfolgreiches Umsetzen der Vorgaben und nimmt den Luxus dadurch viel bewusster wahr.

Man kann nun ohne schlechtes Gewissen sich „etwas leisten“ und weiß dabei genau, dass es den Finanzen nicht schlecht tut.

Im besten Fall kann das Sparen so sogar die Lebensqualität erhöhen.

Ein guter Vergleich ist auch hier wieder eine Diät:

Wenn man nur eine bestimmte Anzahl an Kalorien essen darf und über den Tag die „essenziellen“ Mikronährstoffe durch Obst und Gemüse abgedeckt hat sowie ausreichend komplexe Kohlenhydrate und Protein zugeführt hat, kann man sich am Abend auch eine kleine Leckerei innerhalb der Kalorienrestriktion erlauben die nicht ganz so „gesund“ ist.

Das Ziel der Gewichtsabnahme wird man dennoch erreichen. Und genauso wird man auch einen guten Vermögensaufbau trotz des ein oder anderen Luxus` im Rahmen des Spaß-Budgets erzielen.

Fazit

Das 3-Konten-Modell ist das wohl beste System, um die perfekte Balance zwischen Lebensqualität und wirkungsvollem Vermögensaufbau zu erreichen.

Es hält dich dazu an, dein Konsumverhalten zu optimieren und teilweise sogar Wege zu finden, dein Einkommen zu erhöhen.

Besonders durch die eingerichteten Daueraufträge ist es quasi „unmöglich“, dass du mit der Strategie scheiterst.

Und auch psychologisch ist es sehr motivierend:

Man sieht nun jeden Monat, warum man an der ein oder anderen Stelle verzichtet bzw. härter arbeitet.

Das Vermögen wächst Monat für Monat und man kann sich ohne schlechtes Gewissen ab und zu etwas schönes gönnen.

Aus diesen Gründen können wir dir wärmstens empfehlen, deine Finanzen in Zukunft nach diesem System zu organisieren.

Über Jahre angewendet ist es der nahezu garantierte Weg zur finanziellen Freiheit.

Zum Abschluss haben wir für dich noch ein passendes Zitat von Henry Ford, dem Gründer der weltbekannten Automarke und Erfinder der Fließbandfertigung:

„Reich wird man nicht durch das, was man verdient, sondern durch das, was man nicht ausgibt.“ 


Papier, Stift und Radiergummi

Warum fehlende finanzielle Bildung ein Problem ist

Familienfeiern sind schon interessant. Man sieht viele Verwandte und Bekannte nach einer gefühlten Ewigkeit wieder und tauscht sich über alle möglichen Themen aus.

Alltag, Wetter, Politik, Klatsch und Tratsch – vielleicht kommt dir das bekannt vor.

Was selten bis nie diskutiert wird, sind Finanzen und Investment.

Es wird sich höchstens darüber beschwert, dass es „heutzutage gar keine Zinsen mehr gibt“ und man gar nicht mehr wisse, was man mit seinem Geld machen solle.

Oder dass die Rente viel zu wenig ist und es nicht sein kann, dass man sein ganzes Leben lang geschuftet hat und jetzt so arm leben muss.

Mittlerweile lege ich es bei solchen Gelegenheiten oft darauf an, das Gespräch auf Investment-Themen zu lenken, um herauszufinden, wie Menschen im Durchschnitt in diesem Bereich aufgestellt sind.

Ich finde es immer wieder verblüffend, dass selbst hochgebildete Leute wie Ärzte, Ingenieure oder Professoren hier so wenig Wissen und Bewusstsein haben oder erschreckenden Finanzirrtümern unterliegen.

Ich habe mich gewundert, warum Menschen in so vielen Bereichen über ein gutes Allgemeinwissen verfügen, jedoch kaum jemand wirklich Ahnung von Finanzen und Investment hat.

Doch woran liegt das? Benedikt und ich haben diese spannende Frage einmal intensiv diskutiert und sind auf die folgenden 10 Gründe gekommen:

10 Gründe, warum kaum jemand etwas von Finanzen und Investment versteht

1. Schulbildung

Mit der Schule beginnt für die meisten der „Weg der Bildung“.

Man lernt hier täglich in allen Bereichen dazu, sei es in Mathematik, Lesen & Schreiben, Naturwissenschaften, Musik oder Sport.

In einem Feld versagt die Schule jedoch: Finanzielle Bildung.

Ich kann mich nicht erinnern, in den 12 Jahren Schule auch nur eine Sache über Geld, geschweige denn Investieren gelernt zu haben.

Eigentlich ein Unding, da das Abitur ja eine gute  „Allgemeinbildung“ vermitteln soll.

Eines der wichtigsten Themen lässt sie jedoch komplett außen vor.

Stattdessen wird aber detailliert die Physiologie des Frosches, der Verlauf des 30-jährigen Krieges oder die korrekte literarische Interpretation von Schillers „Kabale und Liebe“ gelehrt.

Ob dieses Wissen überhaupt wichtig ist, kannst du für dich entscheiden.

Es ist unserer Meinung nach jedoch unverzichtbar, schon in jungen Jahren erste Einblicke in die Welt der Finanzen zu bekommen und zumindest ein Grundverständnis für Geld, Investieren etc. zu erhalten.

Und genau das bietet die Schule nicht.

Damit fehlt die Basis für finanzielles Bewusstsein, was das Begehen von Finanzirrtümern und eine gefährliche Distanz zur Finanzwelt begünstigt.

Schulbank

2. Tief verankerte negative Assoziationen von Geld

Überprüfe es bei dir selbst: Wenn du in der Stadt einen relativ jungen Mann aus einem  Luxus-Sportwagen aussteigen siehst, was schießt dir da zuerst durch den Kopf?

Bewunderung, Inspiration und die Neugier, was ihn erfolgreich gemacht hat?

Oder Abneigung und Abwertung nach dem Motto:

„Das ist bestimmt ein Betrüger und Geldhai, mit ehrlicher Arbeit kann man gar nicht so viel Geld verdienen!“

Bei den meisten Menschen überwiegt eher letzteres.

Und unabhängig davon, ob die negativen Vorurteile dem „Reichen“ gegenüber der Wahrheit entsprechen oder nicht:

Ein solches Denken ist Gift dafür, finanziell erfolgreich zu sein.

Es verankert den Glaubenssatz, dass man entweder ein ehrlicher und guter Mensch sein kann, oder ein reicher Abzocker, Schwindler etc.

Das wiederum führt dazu, dass man die Möglichkeit, selbst einmal finanziellen Erfolg zu haben, schon im Vorhinein ausschließt, da dies ja auf moralisch gutem Weg nicht erreichbar ist.

Die Folge: Man beschäftigt sich gar nicht damit, seine Finanzen zu optimieren und lebt einfach vor sich hin.

Stattdessen konzentriert man sich darauf, ein „guter Mensch“ und „sozial erfolgreich“ zu sein.

Dass sich diese beiden Arten von Erfolg, sozialer und finanzieller, nicht ausschließen, ist den wenigsten bewusst.

Und ebenfalls nicht, dass „viel Geld zu haben“ keinesfalls dazu dient, andere neidisch zu machen und zu protzen.

Stattdessen gibt es dir Freiheit und gestaltet diesen einen Bereich des Lebens sorgenfrei.

Außerdem gibt finanzielle Freiheit einem die Möglichkeit, seinen Mitmenschen viel zu geben. Sei es in Form von Spenden an benachteiligte Menschen oder Großzügigkeit.

„Mir ist Geld gar nicht wichtig“ – Oft hört man diesen Spruch von Menschen, bei denen es finanziell schlecht aussieht.

Doch bei genau diesen Leuten bestimmt Geld sehr häufig das Leben.

Negative Emotionen, weil man sich etwas nicht leisten kann, Neid, Geiz und Missgunst.

Ganz zu schweigen von der permanenten Angst, bald pleite zu sein und nicht mehr zu wissen, wovon man leben soll.

Geld allein macht nicht glücklich. Es trägt aber unserer Meinung nach dazu bei, da man sich so Freiheit geben kann und viel mehr Möglichkeiten hat, anderen gutes zu tun.

3. „Armut-Mindset“

Vielleicht kennst du auch diese „witzigen Sprüche“ auf Facebook wie:

„Am Ende des Geldes ist noch zu viel Monat übrig“ oder

„Am Ende des Monats – Mit Karte oder Bar? – Mit Pfand!“

Natürlich ist das alles mit einem Augenzwinkern gemeint, jedoch:

Mittlerweile scheint es manchmal, als ob es in unserer Gesellschaft „cool“ oder „witzig“ ist, chronisch pleite zu sein.

Man kann über vieles Witze machen und es locker sehen, doch hier vernebelt Humor unserer Meinung nach den Blick auf die harte Realität:

Es ist absolut nichts positiv oder „hip“ daran, arm zu sein. Im Gegenteil:

Es ist ein Zeichen dafür, dass man in seinem Leben grundsätzlich einiges falsch macht.

Und dem mit Selbstironie zu begegnen und mit Leuten, denen es genauso geht, darüber Spaß zu machen, verschlimmert das Problem noch.

Man entwickelt durch so etwas selten das Bewusstsein, dass man ein ernstes Problem hat. Geschweige denn, dass man etwas ändern muss.

Verstärkt wird all das durch Abwertung von finanziell erfolgreicheren Menschen und Lamentieren darüber, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander geht„.

Passend dazu werden politische Kampagnen unterstützt, die auf soziale Umverteilung abzielen.

In der Realität bedeutet das aber meist nichts anderes, als Leistung zu bestrafen (z.B. durch Votieren für die „Reichen-Steuer“) und Nicht-Leistung zu belohnen (Hartz IV Zuwendungen insgesamt teilweise höher als Gehalt von manchen Arbeitenden).

All diese Denkweisen und Glaubenssätze (englisch unter dem Oberbegriff „Mindset“ zusammengefasst) führen letztendlich dauerhaft nur zu einem:

Armut.

Unser Tipp deshalb, falls du dich in einem oder mehreren Punkten wieder erkannt haben solltest:

Neid und Missgunst haben noch niemanden voran gebracht, genauso wenig wie das Pochen auf „Gerechtigkeit“.

Achte nicht darauf, was dir „zusteht“, sondern liefere selber in Form von Leistung und dem Produzieren von Mehrwert für dich und andere.

Wenn du das tust, werden dich all diese Diskussionen kalt lassen und die berühmt berüchtigte „Schere“ wird dir bald egal sein.

4. Gesellschaftliche Normalisierung von Finanzirrtümern

Der Hauptgrund, warum sich Eigenheime, aktiv gemanagte FondsBausparverträge und Lebensversicherungen immer noch einer so großen Beliebtheit erfreuen, ist folgender:

All diese Dinge sind gesellschaftlich vollkommen „normal“.

Damit meinen wir, dass fast jeder einen Teil seines Geldes in mindestens eine dieser „Anlagen“ gesteckt hat.

Erzählt man, dass man den Bau eines Eigenheims in seinem Heimatdorf plant (finanziert u.a. durch einen tollen Bausparvertrag) oder vor kurzem auf Zuraten des netten Beraters der lokalen Sparkasse in einen Immobilienfond investiert, erntet man breite Zustimmung.

Berichtet man jedoch davon, dass man in Gold, Bitcoins, Aktien oder ETFs investiert hat, stößt man auf Skepsis und muss sich anhören, dass man „alles riskiert“ und dass das „nicht sicher“ sei.

Auch hier liegt eine Ursache von etlichen Finanzirrtümern:

Man bekommt schon in jungen Jahren von den Eltern, Verwandten, Freunden und der Gesellschaft diverse finanzielle Fehler eingebläut, die sich mit der Zeit so tief festsetzen, dass man sie gar nicht mehr hinterfragt und als richtig ansieht.

Diese Finanzirrtümer zu bekämpfen ist im übrigen auch ein Anliegen von unique investors, weswegen wir zu jedem dieser Anlageklassen ausführliche Artikel für dich verfasst haben.

5. Überzogener Konsumanspruch

Oft hört man die Aussage: „Ich habe zu wenig Geld zum Investieren!“

Abgesehen davon, dass es auch mit wenig Geld gut möglich ist, sinnvoll zu investieren:

Viele Menschen geben einfach viel mehr Geld für Konsum aus, als sie sich leisten können.

Der Grund dafür ist, dass durch Werbung und sozialen Druck, dazu gehören zu wollen, falsche Vorstellungen existieren.

Viele Menschen glauben, dass ein Auto, ein Urlaub im Süden, ein großer Flachbild-TV oder dutzende Paare Schuhe einfach etwas „essenzielles“ sind.

Oder ein neues iPhone. Es ist absolut verblüffend, dass das teuerste gleichzeitig das am besten verkaufte Handy der Welt ist.

An dieser Stelle Respekt an Apple, dass sie einen solchen Hype um ihr Smartphone erzeugt haben – aber wie viele ihrer Käufer konnten es sich finanziell gesehen tatsächlich „leisten“?

Genau hier liegt das Problem – die meisten Menschen wissen nicht, was es heißt, sich etwas „leisten“ zu können.

Nur weil mit ach und krach die Summe gerade noch auf dem Konto ist, heißt das längst nicht, dass man es sich wirklich leisten kann.

Die in den letzten Jahren so populär gewordenen Ratenkäufe oder Leasingangebote, plakativ häufig als „0%-Finanzierungen“ angepriesen, verstärken diese Verhaltensweisen noch mehr.

Das monatliche Gehalt wird wie in der Kindheit das Taschengeld angesehen:

Das ist das Geld, was man jeden Monat ausgeben kann.

Darüber hinaus werden teilweise sogar Konsumkredite „zur Erfüllung der ganz besonderen Wünsche“ aufgenommen.

Damit du uns nicht falsch verstehst:

Wir haben grundsätzlich gegen kein Konsumgut etwas, da diese Dinge das Leben tatsächlich „schöner“ bzw . angenehmer machen.

Jedoch solltest du nur so viel konsumieren, wie du wirklich finanziell vernünftig kannst.

Und wie viel ist das?

All das, was nach Abzug der „financial essentials“ übrig bleibt, also monatlichen Investitionen und Liquiditätsaufbau.

Als Richtgröße solltest du circa 15-20% deiner Netto-Monatseinkünfte für Investitionen und 10-15% für den Aufbau von Liquidität verwenden.

Um hier eine gewissen Routine reinzubekommen und dich zu finanzieller Disziplin zu zwingen, kann dir das sogenannte „3-Konten-Modell“ enorm helfen.

25-35% deines „monatlichen Budgets“ solltest du als „unantastbar“ ansehen nach dem Motto:

„Pay yourself first“

Den Rest kannst du ohne schlechtes Gewissen für „die schönen Dinge des Lebens“ ausgeben.

Wenn du der Meinung bist, dass maximal 75% deines Monatsbudgets nicht ausreichen, dann kann dir unser Vermögensaufbau Quick Start Guide helfen.

6. Unterbewusste Angst, ein Anfänger zu sein und zu scheitern

Was ist ein Grund, warum an übermäßigem Unter- oder Übergewicht leidende Menschen zwar wissen, dass sie das regelmäßige Besuchen des Fitnessstudios und eine Ernährungsumstellung voran bringen würde, sie es aber trotzdem nicht tun?

Neben Faulheit ist es unserer Meinung nach vor allem ein Aspekt:

Die Angst, in die Rolle des Anfängers zu schlüpfen und zu scheitern.

Ich als von Natur aus eher „dünner“ Mensch weiß noch genau, wie sich der erste Fitnessstudio-Besuch anfühlte.

Man kam sich vor wie ein Schwächling (der ich damals auch wirklich war) und hatte eigentlich keine Ahnung, wie richtiges Training geht.

Egal was man neu anfängt:

Zu Beginn ist man, außer man ist ein Naturtalent, erstmal ziemlich schlecht darin. Und etwas, worin man schlecht ist, macht selten Spaß.

Zudem hat man keine Garantie, dass man tatsächlich Erfolge erzielt.

Aus diesem Grund meiden viele Menschen derartige Dinge, die man allgemein als „Tätigkeiten außerhalb der Komfortzone“ bezeichnen kann.

Einen Kampf, den man gar nicht kämpft, kann man auch nicht verlieren (aber eben auch nicht gewinnen).

Genau so ist es auch zu Beginn der Investment-Karriere.

Man muss sich von 0 an einarbeiten, es ist ein scheinbar riesiger Berg zu erlernendem Wissen vor einem und man hat keine Ahnung, wie man überhaupt richtigen „Zugang“ zu all den Themen bekommen soll.

Genau vor diesem Hindernis bleiben die meisten Menschen stehen und meiden das ganze Thema lieber.

Man versteckt sich dann häufig hinter Ausreden wie:

„Das will ich gar nicht können, das ist eh sinnlos.“

„Das mit den Aktien ist sowieso total unsicher, das lass ich lieber.“

„Als einfacher Bürger kann man diese ganzen Themen gar nicht verstehen.“

Da du unique investors liest, gehörst du nicht zu dieser Kategorie Leute, und wir können dir nur raten, diesen Weg weiter zu gehen und dich stetig finanziell weiterzubilden.

Es gibt kaum ein anderes Interessenfeld, was sich so auszahlt wie finanzielle Weiterbildung.

Und wie im Fitnessstudio ist es auch beim Investieren: Siehst du erste Resultate, wird es zur (positiven) Sucht.

7. Finanzbranche

Finanziell gebildete Menschen sind genau das, was ein Banker nicht in seinem Beratungszimmer haben will.

Banken und andere Finanzinstitute verdienen ihr Geld hauptsächlich damit, unlukrative bzw. nur für sie lohnende Finanzprodukte zu verkaufen.

Bausparverträge, Lebensversicherungen, Eigenheim-Kredite oder aktiv gemanagte Fonds – all dies kann man nur Menschen verkaufen, die wenig bis keine finanzielle Bildung haben.

Aus diesem Grund wird bewusst dafür gesorgt, dass die Leute keine Eigenverantwortung für ihre Finanzen übernehmen und stattdessen sich bei Banken „beraten“ lassen.

Die Themen werden in der Kommunikation bewusst verkompliziert und es wird so dargestellt, als ob alles viel zu schwierig sei, um hier selbst Entscheidungen zu treffen.

In den Beratungsgesprächen wird man mit einem regelrechten Informationswirrwarr und Fachbegriffen bombardiert.

Dadurch werden die Leute verunsichert und bekommen das Gefühl, dass sie auf einen Berater ihrer Bank angewiesen seien.

Es wird so dargestellt, als ob der Bankberater für ihre Finanzen das sei was der Arzt für ihre Gesundheit ist.

Doch während man bei der Behandlung von Krankheiten dies tatsächlich dem Fachmann überlassen sollte (was ein Arzt im Gegensatz zum Bankberater auch wirklich ist), ist dies im Finanzbereich die falsche Herangehensweise.

Der Grund: Es besteht anders als bei der Gesundheit ein asymmetrisches Interessenverhältnis.

Der Banker ist interessiert daran, für seine Bank Profit zu erwirtschaften. Dein finanzieller Erfolg ist für ihn zweitrangig.

Zudem bereitet er dich im Beratungsgespräch auf den Misserfolg schon vor, sodass Unzufriedenheit im Keim erstickt wird.

Es wird davon gesprochen, dass „5% Rendite pro Jahr heutzutage schwer erreichbar“ sind und man sein Investment „viele Jahre laufen lassen“ sollte.

Selbst Jahre, in denen das Produkt, z.B. ein Fond, Verlust erwirtschaftet, seien „normal“.

So kann für die Bank natürlich nichts schief gehen. Die Provisionen und Gebühren erhält sie sowieso und egal wie es läuft, der Kunde hat kaum einen Anhaltspunkt, sich zu beschweren.

Wir können dir auch hier wieder nur raten:

Übernimm Eigenverantwortung und höre nicht auf deinen Bankberater.

Noch besser: Habe erst gar keinen.

8. Fehlendes Bewusstsein für Inflation und die Folgen von Wirtschaftswachstum

„Wenn man sein Geld auf dem Konto lässt, gewinnt man zwar nichts, kann aber auch nichts verlieren.“

Ob bewusst oder unterbewusst – das ist die Einstellung der meisten Menschen.

Vielen fehlt das tiefe Verständnis dafür, was Inflation wirklich bedeutet, und warum es sie überhaupt gibt.

Frage dich selbst: Siehst du Inflation als etwas gutes oder schlechtes?

Fast jeder würde mit „schlecht“ antworten.

Dabei ist Inflation der Motor von Wirtschaftswachstum, was wiederum der Motor von steigendem Lebensstandard ist.

Auch wenn viele Leute in Deutschland jammern, wie schlecht es ihnen doch geht:

Nie in der Geschichte der Menschheit war der Lebensstandard des Durchschnittsbürgers so hoch wie zur Zeit in Industrieländern wie Deutschland.

Denkst du, das wäre ohne Innovationen und technischem sowie wirtschaftlichem Wachstum möglich gewesen?

Sicher nicht. Und wer etwas von Volkswirtschaft versteht weiß, dass Wirtschaftswachstum einen Anstieg der Geldnachfrage bedingt.

Und diese wiederum kann man nur durch die Ausdehnung der Geldmenge befriedigen.

Die Konsequenz: Die allseits bekannte Inflation.

Inflation kann gut oder schlecht sein.

Schlecht für dich ist sie, wenn du deine gesamten Ersparnisse auf dem unverzinsten Konto lässt und die Kaufkraft deines Geldes immer weiter abnimmt.

Bei 2% jährlicher Inflation hat sich der Wert des Geldes in ca. 35 Jahren halbiert.

Profitieren kann man von Inflation, wenn man selbst investiert.

„Wer sagt denn, dass der Aktienmarkt weiter steigen wird?“ – Eines der Hauptargumente für Nicht-Investieren.

Genau die oben aufgeführten Kausalkette ist es – Wirtschaftswachstum – steigende Geldnachfrage – Ausdehnung der Geldmenge – Inflation.

Und Inflation findet nicht nur bei Konsum- sondern auch bei Investitionsgütern statt.

Wenn mehr Geld im System ist, wird auf kurz oder lang auch das Preisniveau von Aktien, Immobilien und Gold steigen.

Und dass der Ausgangspunkt, Wirtschaftswachstum, weiterhin anhalten wird, liegt in der Natur des Menschen.

Seit Tausenden Jahren entwickelt er sich stetig fort. In der Wirtschaft ist es genauso – Unternehmen, die nicht wachsen, sterben aus.

Es gilt also: Evolve or Die!

9. Mediale Berichterstattung

Zugegeben, was wir jetzt anführen, ist ein allgemeines „Problem“ der Medien, aber dennoch:

Es gibt viel mehr negative als positive Nachrichten über die Finanzwelt.

Jeder Börsencrash wird wie ein Weltuntergang dargestellt und die Panikmache kennt keine Grenzen.

Ob es nun der Immobiliencrash 2008, die Chinakrise oder das Brexitvotum 2016 waren:

Berichtet wurde von dramatischen Einbrüchen am Aktienmarkt und massiven Verlusten.

Dass sich die Märkte jedoch nach jedem der zahllosen Crashs der letzten Jahrzehnte immer wieder erholt haben und stärker zurückgekommen sind, als je zuvor – das wird in den Medien gern verschwiegen.

Geschweige denn, dass man mit der Strategie des antizyklischen Investierens in diesen Phasen ein Vermögen verdienen konnte.

Das Schüren von Angst vor den Aktienmärkten führt dazu, dass große Teile der Bevölkerung die Risiken des Investierens völlig überschätzen und deshalb von den Kapitalmärkten fern bleiben.

Auf den Punkt gebracht: Medien bauen Phantomrisiken auf und unterstützen FInanzirrtümer.

10. Verlustaversion

Der letzte Grund für fehlende finanzielle Bildung ist einer der Hauptgründe für Scheitern in allen Bereichen des Lebens: Angst.

In der Finanzwelt hemmt die meisten Menschen die Angst vor Verlusten, auch „Verlustaversion“ genannt.

Viele Menschen gestalten ihre Finanzen mehr nach dem Motto „Hauptsache wenig verlieren“ statt  Chancen zu ergreifen, zu gewinnen.

Die Angst vor Verlusten schreckt viele mehr ab, als sie die Aussicht auf Gewinne motiviert.

Der Grund dafür ist, dass es in der Natur des Menschen liegt, dass Verluste viel mehr negative Emotionen hervorrufen als Gewinne positive.

Aber ohne das Eingehen von gewissen Risiken ist es nicht möglich, etwas zu gewinnen bzw. zu erreichen.

Das gilt sowohl in der Finanzwelt als auch in allen anderen Lebensbereichen.

Fazit

Schule, Mitmenschen, Medien, Finanzbranche und die menschliche Psyche – nahezu alle Voraussetzungen und Umstände erschweren es, finanzielles Bewusstsein zu entwickeln.

Das ist der Grund, warum es finanziell bei fast allen Menschen nicht besonders rosig aussieht und selbst Millionengewinner im Lotto oftmals schnell wieder pleite sind.

Mit diesem Artikel wollten wir dir helfen, tief verankerte Denkfehler und finanzielle Gewohnheiten aufzubrechen.

Da du unique investors liest, bist du auf dem besten Weg zu finanziellem Bewusstsein und Erfolg und wir können dich nur ermutigen, uns auf diesem Pfad weiterhin zu begleiten.

Zum Abschluss wollen wir dir noch einen kleinen Motivationsspruch mitgeben, der unique investors Einstellung zu Geld und Reichtum versinnbildlicht:

„Geld allein macht nicht glücklich. Es gibt dir aber die Freiheit und Zeit, es zu werden.“


Großes Haus auf dem Land

(Alb-) Traum Eigenheim - Warum es dich deinen Wohlstand und deine Freiheit kostet

Ein „sicherer“ Job, Kinder und ein eigenes Haus.

Für die meisten Menschen sind das DIE Lebensziele überhaupt.

Absolute Jobsicherheit ist zwar heutzutage sehr selten, doch hat man dies erst einmal erreicht, gibt es kaum etwas beruhigenderes.

Auch dass zu einem erfüllten Leben Kinder gehören, ist für viele von uns ohne Wenn und Aber unstrittig.

Und ein Eigenheim? Der Traum von den „eigenen vier Wänden“ ist so tief in den meisten von uns verankert, dass man hier gar nicht weiter hinterfragt.

Auf den ersten Blick scheinen die Argumente auch schlüssig.

Keine Mietausgaben mehr, Unabhängigkeit von Vermietern und deren Mieterhöhungen, Altersvorsorge, Sicherheit und eine scheinbar sinnvolle Immobilieninvestition.

Dazu hört man überall, es wäre gerade die richtige Zeit, um vom „historisch niedrigen Zinsniveau“ zu profitieren.

Scheinbar ist ein Eigenheim also genau das, worauf man hinarbeiten sollte.

Warum aber spricht dann ein Weltklasse-Finanzexperte wie Gerald Hörhan von einem der größten „Finanzirrtümer der Mittelschicht“?

Fast jedes Eigenheim ist zu einem großen Teil fremdfinanziert, wird also über einen Bankkredit realisiert.

Viele stellen die simple Gleichung auf, dass man mit einem Eigenheim, statt jeden Monat Geld für Mietzahlungen zu „verbrennen“, die Kreditraten abzahlt und so nach circa 25-30 Jahren perfekt fürs Alter vorgesorgt hat.

Was zunächst erst einmal logisch klingt, ist auch unserer Meinung nach ein gravierender Trugschluss, durch den schon viele Familien ihren Wohlstand und ihre Freiheit verloren haben.

Warum, wollen wir dir anhand eines konkreten Rechenbeispiels aufzeigen.

Das Praxisbeispiel: Eigenheim auf Kredit vs. Wohnen zur Miete

Damit du genau siehst, welcher Unterschied in puncto Vermögensaufbau bzw. Wohlstand zwischen den beiden Varianten liegt, rechnen wir die einzelnen Szenarien Schritt für Schritt anhand realer Fakten durch.

Als Vertreter für die Variante „Eigenheim auf Kredit“ haben wir eine Baufinanzierung einer großen deutschen Direktbank ausgewählt, welche detailliert alle Konditionen aufzeigt.

Für die Variante „Wohnen zur  Miete“ gehen wir vom deutschlandweiten Kaltmietedurchschnitt von 6,50€ pro qm aus.

Hierbei ist noch anzumerken, dass die meisten Eigenheime in eher ländlichen Regionen gebaut werden, wodurch diese für Großstadtverhältnisse recht niedrig erscheinende Miete aus unserer Sicht durchaus repräsentativ ist.

Da sowohl bei einem Eigenheim als auch einer Mietwohnung Kosten für Heizung und Strom anfallen und bei gleicher Größe diese sehr ähnlich sein werden, betrachten wir den Punkt „Wohn-Nebenkosten“ als neutral.

Eigenheim auf Kredit

Das „Beispiel-Eigenheim“ hat eine Wohnfläche von 120 qm und eine Gartenfläche von 100 qm.

Der durchschnittliche Kaufpreis von Wohnfläche beträgt 1750€/qm, von Gartenfläche 150€/qm.

Somit erhalten wir als Basisbetrag ohne Nebenkosten einen Kaufpreis von:

120 x 1750€ + 100 x 150€ = 225 000€

Hinzu kommen:

– Grunderwerbssteuer von 3,5% = 7 875€

– Maklercourtage von 7% = 15 750€

– Notarspesen von 1,5% = 3 375€

Gesamtkosten: ca. 250 000€

Diese Summe ist für die wenigsten Familien zu 100% finanzierbar.

Deshalb wird nahezu jedes Eigenheim über einen Bankkredit realisiert.

Bei der einer großen deutschen Direktbank würde eine solche Baufinanzierung folgendermaßen aussehen:

In diesem „repräsentativen Beispiel“ werden bis 60% des Kaufpreises finanziert und es wird von einer Finanzierungssumme von 150 000€ ausgegangen.

Dementsprechend beläuft sich der durch Eigenkapital zu erbringende Betrag auf 40% bzw. 100 000€, womit wir, wie bei unserem „Beispiel-Eigenheim“, eine Gesamtsumme von 250 000€ erhalten.

Der Kredit hat eine Laufzeit von 26 Jahren und 7 Monaten, aufgeteilt auf 319 Monatsraten.

Bewusst wird hier von einer „anfänglichen monatlichen Rate“ von  581,25€ gesprochen.

Dieser Aspekt hat mit der angegebenen Zinsbindung von 10 Jahren zu tun, d.h. der verhältnismäßig niedrige Zins von 1,69% ist nur für die ersten 10 Jahre garantiert.

Warum dieser Punkt so eine große Bedeutung hat, erklären wir dir weiter unten detailliert.

Unter dem Strich „kostet“ der 150 000€ Kredit ca. 185 390€, womit wir bei einer Gesamtinvestition für unser Eigenheim von 285 390€ sind.

Zusätzlich kann man davon ausgehen, dass durchschnittlich knapp 1% des Kaufpreises pro Jahr (hier: knapp 2500€) für „Folgekosten“ wie z.B. Handwerkerleistungen, Gartenbewirtschaftung, Reparaturen oder Renovierungen aufgewendet werden müssen.

Dementsprechend müssen wir zu den monatlichen Raten von 580€ noch durchschnittlich 200€ hierfür einkalkulieren, womit wir bei 780€/Monat sind.

Wohnen zur Miete

Auch für diese Variante gehen wir von einer Wohnfläche von 120 qm aus.

Bei einer durchschnittlichen Kaltmiete von 6,50€/qm erhalten wir eine monatliche Miethöhe von 780€.

Dir fällt hier bestimmt direkt auf:

In Bezug auf die „monatlichen Kosten“ sind die beiden Varianten also gleichwertig.

Der große und entscheidende Unterschied ist jedoch, was mit den angesparten 100 000€ passiert ist.

In der „Eigenheim-Variante“ sind diese für den Eigenkapital-Anteil verwendet worden und somit direkt in der „Investition Eigenheim“ inbegriffen.

In der „Miet-Variante“ hingegen hast du die Möglichkeit, dieses Geld in andere Anlageklassen zu investieren.

Für dieses Szenario kalkulieren wir mit einer jährlichen Rendite von 6%, was auch ohne „Expertenwissen“ im Investmentbereich absolut realistisch ist, zum Beispiel durch Investitionen in ETFs.

Besonders mit so einer hohen Summe ist auch das Investieren in Einzelaktien eine extrem gute Alternative.

Wenn du dich in diesem Bereich gezielt weiterbildest, sind auch wesentlich höhere Renditen als 6% pro Jahr definitiv machbar.

Hierfür können wir dir unser kostenloses Ebook empfehlen, indem dir alle wichtigen Aspekte zur Aktienfindung und detaillierten Unternehmensbewertung verständlich erklärt werden.

Für den Vergleich „Eigenheim vs. Mieten“ kalkulieren wir jedoch vorsichtig und gehen von den besagten 6% aus.

Nach knapp 27 Jahren erhalten wir dann:

100 000€ x 1,0626,5    = 470 000€

Das Ergebnis

Ein 27 Jahre altes Mittelklasse-Haus oder 470 000€ – was ist dir lieber?

Nach den knapp 27 Jahren stehen sich diese beiden Resultate gegenüber.

Aus finanzieller Sicht ist klar, was die bessere Option ist:

Dein Vermögen wird mit 470 000€ signifikant höher sein als mit einem alten, „abgenutzten“ Haus.

Und auch wenn wir es weiter oben schon erwähnt haben, müssen wir nachdrücklich noch einmal hinzufügen:

470 000€ sind hier ein wirklich sehr „pessimistisch“ kalkulierter Wert, besonders für einen Investment-interessierten Menschen wie dich.

Würden wir von 8% ausgehen, würden wir bei ca. 750 000€ landen, bei 10% gar bei 1,25 Mio € …

Doch dieser schon so sehr drastische Vergleich ist noch längst nicht alles.

Auch wenn viele Eigenheim-Besitzer es nicht gern hören werden:

Die Contra-Argumente gegen „die eigenen vier Wände“ sind so vielfältig und erdrückend, dass es realistisch betrachtet hier einfach keine zwei Meinungen geben kann.

Zusammengestellt haben wir diese für dich in unserer Top 10.

Die Top 10 Argumente gegen ein Eigenheim

1. Flexibilität

Besonders in der heutigen Wirtschaftswelt ist Flexibilität für viele Berufe ein enorm wichtiger Punkt.

Eine Garantie, seinen Job quasi bis zur Rente an ein und demselben Ort ausüben zu können, gibt es quasi nirgendwo.

Doch genau diese Flexibilität geht einem Eigenheim ab. Allein der Verkauf zu einem angemessenen Preis kann sich über Monate erstrecken.

Hinzu kommen die auch beim Verkauf anfallenden Nebenkosten für Makler, Steuern und Notar, die ebenfalls einen erheblichen Teil deiner „Investition“ verschlingen.

Außerdem verliert man einen großen Anteil des Geldes, was man bereits in das Haus gesteckt hat.

Eine extra angefertigte Küche, angepasste Badmöbel oder die Gartengestaltung – all dies hat man in sein Haus „investiert“, was sich bei einem Verkauf jedoch kaum bis gar nicht auf den Wert der Immobilie auswirkt.

Die Folge: Während du beim Wohnen zur Miete relativ problemlos bei Bedarf umziehen kannst, bist du bei einem Eigenheim extrem gebunden und musst deine Karriere wohlmöglich deshalb limitieren – oder verlierst viel Geld bei einem frühzeitigen Verkauf.

2. Risiken, Abhängigkeit und psychischer Druck

Kauft man ein Eigenheim auf Kredit, begibt man sich in ein Abhängigkeitsverhältnis mit einem im Zweifel gnadenlosen Partner: einer Bank.

Man geht mit einem Kredit enorme Risiken ein, denn die Mietraten sind absolut bindend und es darf sich finanziell beim Kreditnehmer nichts verschlechtern.

Diese Risiken unterschätzt man instinktiv sehr schnell. Nach dem Motto „es wird schon gut gehen“ sind viele schon kräftig auf die Nase gefallen.

Ein paar potenzielle Gefahren:

– Du verlierst zeitweise deinen Job (oder dein Partner)

– Dein Gehalt wird gekürzt (oder das deines Partners)

– Du erkrankst, hast dadurch Lohnausfälle oder wirst sogar berufsunfähig

– Deine Eltern werden zum Pflegefall und du musst ein teures Pflegeheim bezahlen

All diese Fälle haben eines gemeinsam:

Deine Zahlungsfähigkeit und/oder Bonität verschlechtert sich.

In Folge darauf wird die Bank rigoros reagieren, da sich für sie „die Risikiodisposition verschlechtert hat“.

Daraufhin wird sie entweder die Zinsen erhöhen oder zusätzliches Eigenkapital einfordern. Oder beides.

Kannst du dieses nicht erbringen oder erachtet die Bank deine Bonität durch die Veränderung deiner finanziellen Situation generell als zu schlecht, droht schnell die Zwangsversteigerung deines Hauses.

Und das sicherlich nicht zum Höchstpreis. Und schon hat sich der Traum Eigenheim in einen Albtraum verwandelt.

Aus diesem Risiko kann ein unheimlicher psychischer Druck resultieren, da man permanent „liefern“ muss.

Auch das Thema Scheidung als Risikofaktor ist nicht zu vernachlässigen.

Fakt ist, dass 50% aller Ehen geschieden werden.

In diesem Fall muss das Haus entweder verkauft werden (wobei wieder die horrenden Nebenkosten anfallen) oder eine Seite muss die andere auszahlen.

Und das könnte wie du dir vorstellen kannst bei einem Wert von 250 000€ nicht ganz so problemlos für jeden sein …

3. Verfallende Zinsgarantie

Mit Slogans von der Art „Profitieren sie von historisch niedrigen Zinsen und erfüllen sie sich den Traum von den eigenen vier Wänden“ werben Banken derzeit vehement für ihre Baufinanzierungen.

Natürlich sind die Zinsen derzeit aufgrund des bei nahezu 0% liegenden Leitzinses im Verhältnis sehr günstig und ein Kredit damit etwas lukrativer als noch vor einigen Jahren.

Dies jedoch als entscheidendes Argument für ein Eigenheim zu verkaufen, ist völlig überzogen, da die Faktenlage wie wir bereits oben und in den nachfolgenden Punkten erläutern ganz klar dagegen spricht.

Was aber noch viel verwerflicher ist: Es wird überhaupt nicht kommuniziert, dass man nur 10 Jahre Anspruch auf diese „historisch niedrigen Zinsen“ hat.

Nur so lang gilt nämlich die Zinsbindung. Danach richten sich die Zinsen nach dem dann jeweils aktuellen Leitzins.

Und da der Leitzins derzeit wie gesagt auf einem kaum noch unterbietbaren Tiefststand ist, kann es dementsprechend nur noch schlimmer werden.

Dadurch „verschlimmert“ sich unser provokativer Vergleich nochmal:

Während die 470 000€ aufgebautes Vermögen in der „Miet-Variante“ eher vorsichtig angesetzt sind, ist das Kalkulieren mit der „anfänglichen monatlichen Rate“ schon der absolute Optimalfall.

Niemand kann seriös prognostizieren, wie sich der Leitzins die nächsten Jahrzehnte entwickeln wird.

Da aber „nach unten“ nicht mehr viel Spielraum ist, ist es wesentlich realistischer, dass das Zinsniveau perspektivisch wieder steigen könnte.

4. Immer stärker werdender Zinseszinseffekt nach Kreditabzahlung

Wie die beiden Szenarien nach Ablauf der regulären Kreditlaufzeit aussehen, haben wir dir oben gezeigt.

Der schon so große finanzielle Unterschied wird sich aber noch weiter vergrößern.

Grund dafür ist der Zinseszinseffekt.

Während das schon relativ alte und sicherlich abgenutzte Haus kaum signifikant im Wert steigen wird und eher sogar Wertverlust erleiden wird, verzinst sich das aufgebaute Vermögen in der „Mietvariante“ immer stärker.

Vielleicht hast du schon einmal den Spruch „Die letzten Jahre sind die fettesten!“ gehört.

Da das Vermögen von Jahr zu Jahr anwächst, nimmt auch die Rendite in absoluten Zahlen von Jahr zu Jahr immer mehr zu, da ein immer größer werdender Betrag verzinst wird.

Das Wachstum deines Vermögens beschleunigt sich also immer stärker, je länger der Anlagezeitraum ist.

Dieses mathematische Phänomen nennt man „exponentielles Wachstum“.

Was für ein großes Ausmaß dieses hat, unterschätzt man sehr häufig völlig.

Wenn wir ab dem Zeitpunkt der vollständigen Kreditrückzahlung weiterhin von einer jährlichen Rendite von 6% ausgehen, mit der sich die in der „Miet-Variante“ aufgebauten 470 000€ verzinsen, erhalten wir nach weiteren 15 Jahren:

1 126 382€.

Gut 40 Jahre nach dem hypothetischen „Startzeitpunkt“ hätten wir also folgende Situation, die noch einmal drastischer ist:

Der Eigenheimkäufer besitzt ein schon kräftig in die Jahre gekommenes Durchschnittshaus (sofern er dieses nicht schon durch eines der oben aufgezählten Risiken verloren hat), welches weiterhin laufende Instandhaltungskosten verursacht.

Der „Mieter“ hingegen ist mittlerweile zum Millionär geworden.

Eigentlich könnten wir hier enden, da schon jetzt die Negativseite eines Eigenheimkaufs prall gefüllt ist.

Jedoch sind die weiteren Argumente so gravierend, dass wir sie einfach nicht unerwähnt lassen können.

5. Jahrelanger Liquiditätsaufbau anstatt von sinnvollerem Vermögensaufbau

Viele Familien fassen schon früh den Entschluss, auf ein eigenes Heim hinzuarbeiten.

Um den Eigenkapitalanteil aufbringen zu können, sparen sie deshalb bis zum Zeitpunkt der Kreditaufnahme den erforderlichen Betrag auf ihrem Bankkonto an.

Wenn wir bei unserem Beispiel bleiben und von 100 000€ Eigenkapital ausgehen, wäre ein Ansparzeitraum von circa 10 Jahren bzw. 10 000€ jährlicher Liquiditätsaufbau für die meisten Familien realistisch.

Es wird also vor dem Hintergrund des großen Traumes der „eigenen vier Wände“ bewusst oder unbewusst darauf verzichtet, lukrativere Formen des Vermögensaufbaus zu verfolgen.

Dadurch raubt man sich schon zu Beginn seiner „Anleger-Karriere“ viel Potenzial.

Hätte man die jährlich 10 000€ in Einzelaktien und ETFs investiert bei einer Rendite von 6% jährlich, hätte man nach 10 Jahren schon ein Vermögen von knapp 140 000€ aufgebaut.

Natürlich ist es auch möglich, dass man zuerst sein Geld in Aktien anlegt und hiermit das erforderliche Eigenkapital aufbaut, doch seien wir realistisch:

In den seltensten Fällen investieren Leute, die den Finanzirrtum des Eigenheims begehen, konsequent in Aktien oder andere sinnvolle Anlageklassen.

Häufig mangelt es hier einfach an dem Bewusstsein, was ein wirklicher Vermögenswert und was ein Konsumgut ist.

6. Betrachten von Ausgaben für das Haus als „Investitionen“

Hat man sich seinen großen Traum erst einmal erfüllt, ist das häufig erst der Anfang von finanziell völlig irrationalen Ausgaben.

Eine moderne Küche, individuell angepasste Badschränke oder ein Wintergarten:

Die Möglichkeiten, das Haus „aufzupeppen“, sind quasi unbegrenzt.

Selbstverständlich sind all diese Dinge schön und heben die Wohnqualität, jedoch schwächt jede dieser Aufwendungen die finanzielle Situation zusätzlich.

Das Hauptproblem liegt vor allem darin, dass die meisten Hausbesitzer derartige Ausgaben als „Investitionen“ ansehen und jeden so „angelegten Euro“ als sinnvoll betrachten.

Eine Investition zeichnet sich aber dadurch aus, dass die realistische Chance der Wertsteigerung besteht.

Genau das Gegenteil ist jedoch der Fall:

Egal ob Küche, Badmöbel oder Wintergarten – sie alle unterliegen einem massiven Wertverfall.

Schon nach einigen Jahren haben sie nahezu keinen Einfluss mehr auf den tatsächlichen Immobilienpreis, wodurch das hier hereingesteckte Kapital quasi „verbrannt“ ist.

7. Die Illusion vom Eigentum

Diesen Punkt können wir kurz halten:

Schon die Bezeichnung „Eigenheim“ ist fast immer unzutreffend.

Bis der Kredit, mit dem das Haus finanziert wurde, vollständig zurückgezahlt wurde, gehört es zu dem jeweiligen Anteil faktisch der Bank.

Der „Traum von den eigenen vier Wänden“ erfüllt sich in der Realität also erst viel später, als man das gern wahrhaben wöllte.

8. Verleitung zum „zu großzügigen Wohnen“

Stell dir folgendes Szenario vor:

Herr und Frau Mustermann (beide beim Hauskauf 35 Jahre alt), haben drei Kinder, die zu diesem Zeitpunkt 7, 5 und 2 Jahre alt sind.

17 Jahre später zieht auch das jüngste Kind aus. Was denkst du, werden Herr und Frau Mustermann jetzt, im Alter von 52 Jahren, nun machen?

Möglichkeit 1: Sie verkaufen ihr nun für nur 2 Personen eigentlich viel zu großes Haus.

Möglichkeit 2: Sie bleiben in ihrem Heim, in das sie so viel Zeit, Geld und Mühen hineingesteckt haben und mit dem sie so viele schöne Erinnerungen verbinden.

Du wirst uns bestimmt zustimmen, dass das zweite Szenario wesentlich wahrscheinlicher ist.

Was rein emotional verständlich ist, ist der nächste schwerwiegende finanzielle Fehler:

Anstatt in eine kleinere, für ein Paar völlig ausreichende Wohnung zu ziehen, bleiben viele Menschen in ihrem nun übermäßig großen Haus.

Damit verzichtet man auf die Option, das Haus zu verkaufen und das damit erlöste Geld zu investieren und damit für das Alter vorzusorgen.

9. Versicherungskosten & außergewöhnliche Risiken

Hochwasser, ein durch einen Kurzschluss verursachter Brand oder Vandalismus:

Die Liste der potenziellen Risiken, die ein Eigenheim teilweise oder völlig zerstören können, ist sehr lang.

Um sich gegen all diese zu schützen, benötigt man eine sehr umfangreiche Versicherung, die dementsprechend teuer ist.

In manchen Gebieten, wo bestimmte „außergewöhnliche Naturkatastrophen“ keine Seltenheit sind, wird man einen solchen Versicherungsschutz kaum bekommen.

Vielleicht kannst du dich an die TV-Bilder der verzweifelten Menschen aus den Küstenregionen der USA erinnern, die durch einen Hurrican ihren gesamten Besitz verloren haben.

In den Medien wurde sogar dramatisch von ihrer „Existenz“ gesprochen.

Für einen Mieter sind derartige Risiken nicht weiter relevant, da dadurch verursachte Schäden an der Wohnung  vom Vermieter bzw. Immobilienbesitzer getragen werden müssen.

Zudem muss er sich auch um keine teuren Versicherungen kümmern, was ebenfalls Geld für zusätzlichen Vermögensaufbau oder den ein oder anderen zusätzlichen Luxus frei macht.

10. Folgekosten für Umbau auf altersgerechtes Wohnen

Auch wenn es keiner gern hören will:

Irgendwann ist jeder von uns alt und gebrechlich.

Und es ist nicht unwahrscheinlich, dass das Nutzen einer Treppe ab einem bestimmten Alter keine Selbstverständlichkeit mehr ist.

Die Folge für einen Eigenheimbesitzer:

Das Haus muss altersgerecht umgebaut werden. Und das ist, wie du dir sicher vorstellen kannst, alles andere als billig.

Ganz schnell landet man hier in fünfstelliger Höhe.

Und was macht der schon sein Leben lang zur Miete wohnende Rentner?

Er zieht in eine Erdgeschosswohnung, womit das Problem viel unkomplizierter, schneller und vor allem günstiger gelöst ist.

Fazit

Oft hat die sogenannte „Schwarmintelligenz“ ihre Berechtigung, ist also das Handeln oder die Meinung eines Großteils aller Menschen richtig.

Beim Thema Eigenheim sieht es aber genau andersrum aus. Drücken wir es ganz drastisch aus:

Der Traum von den eigenen vier Wänden ist der größte Finanzirrtum der Mittelschicht.

Er ist einer der Hauptgründe, warum viele Menschen ihr Leben lang in finanzieller Abhängigkeit leben und niemals die Chance haben, tatsächlichen Wohlstand und Freiheit zu erlangen.


Bullen- und Bärenmarkt

Antizyklisches Investieren - Gegen den Strom zum Erfolg?!

Was würdest du antworten, wenn dich jemand fragt, ob du dich eher in der Gruppe oder als Einzelgänger wohlfühlst?

Würden wir 100 Leuten diese Frage stellen, würden ungefähr 95 von ihnen angeben, dass sie sich in der Gruppe wohler fühlen.

Das ergab zumindest erst kürzlich eine Studie von Wissenschaftlern der Universität Leeds.

„Wir Menschen sind genetisch darauf programmiert, Herdentiere zu sein. Wir lebten die meiste Zeit als Jäger und Sammler in kleinen Gruppen.“

So umschrieb 2012 der US-amerikanische Sozialwissenschaftler Ben Zablocki die Tendenz, dass wir in den meisten Lebenssituationen das tun, was der Großteil unserer Mitmenschen auch tut.

Egal in welchem Bereich: Folgt man dem generellen Trend, fühlt man sich sicher und wird in seinem Handeln logischerweise von vielen seiner Mitmenschen bestätigt.

„Wenn so viele Leute es auf diese Art machen, kann es nicht falsch sein.“ – Diese Haltung ist bei den meisten von uns tief verankert.

Handelt man jedoch gegen den allgemeinen Konsens, ist man häufig direkt in der Position, sich rechtfertigen zu müssen und muss sich der Kritik der anderen aussetzen.

Dieser Weg ist viel anstrengender und erfordert einiges an Charakterstärke und Selbstvertrauen.

Scheitert man auf seinem eigenen Weg, hört man dann häufig: „Ich habs dir doch gesagt.“

Doch warum ist das so?

Sehr wahrscheinlich geht dieses Denk- und Handlungsmuster auf unsere evolutionären Wurzeln zurück.

Vor Millionen von Jahren waren unsere Vorfahren Jäger und Sammler und agierten grundsätzlich in Gruppen.

Das hatte viele Vorteile: Man konnte sich gegenseitig unterstützen und war in der Gemeinschaft viel besser gewappnet gegen alle urzeitlichen Gefahren, sei es bei Angriffen von Raubtieren oder bei der Nahrungsmittelsuche.

Wenn man aus der Gruppe verstoßen wurde, reduzierten sich die Überlebenschancen massiv. Somit war man stets bestrebt, in der Gruppe zu bleiben.

Dieses Handlungsmuster unserer Vorfahren hat sich in unsere Genetik eingebrannt und bestimmt damit noch heute oft unser Leben.

In den meisten Bereichen ist die sogenannte „Schwarmintelligenz“ auch durchaus von Vorteil.

Doch auch beim Investieren? Wir glauben, dass genau das Gegenteil der Fall ist.

Warum, wollen dir in diesem Artikel näher erläutern.

Antizyklisches Investieren- Was bedeutet das eigentlich?

Die Erklärung steckt bereits in der Bezeichnung: „Antizyklisch“ heißt nichts weiter als „entgegen des Zyklus“.

Vereinfacht ausgedrückt steckt hinter dem Konzept des antizyklischen Investierens die Idee, in Phasen steigender Märkte („Hausse“) zu verkaufen und in Krisenzeiten oder fallenden Märkten („Baisse“) zu kaufen.

Es handelt sich genauer gesagt also um eine sogenannte Timing-Strategie, das heißt, dass das Konzept des antizyklischen Investierens dir einen Anhaltspunkt gibt, wann der richtige Zeitpunkt zum Investieren ist.

Das Wort „anti“ ist hier sogar noch weitreichender: Wenn man antizyklisch investiert, handelt man auch entgegen eines Großteils der anderen Marktteilnehmer.

Intuitiv nehmen Menschen etwas positiver wahr, wenn es eine positive Tendenz hat und umgekehrt.

Die Wenigsten wollen ihr Geld in etwas investieren, dass sich im Abwärtstrend befindet. Doch genau darauf beruht antizyklisches Investieren.

Wir geben zu: Ganz leicht ist es nicht, auf diese Art zu investieren.

In Boomphasen überschlagen sich die Medien mit euphorischen Meldungen zum Aktienmarkt.

All-Time-Highs werden geknackt, Unternehmen erhöhen ihren Wert nahezu täglich und Experten finden immer neue Gründe, warum die Hochphase noch lange nicht vorbei ist.

Wer will in so einer Zeit verkaufen und bei den möglichen künftigen Anstiegen nicht mehr dabei sein?

Vielleicht noch ein Stück schwieriger ist es in Krisen – oder gar Crashzeiten: Der Wert deines Depots sinkt immer weiter und die ganze Finanzwelt ist in Aufruhr.

„Dax 30% im minus – und ein Ende ist noch lange nicht in Sicht“

„Retten sie ihr Geld, bevor es zu spät ist!“

„Der Tod der Aktie“

Wer wird bei solchen Schlagzeilen nicht panisch?

Dir scheint dein hart erarbeitetes Geld immer mehr zu entrinnen. Experten sprechen gar vom völligen Zerfall des Aktienmarktes.

Du grübelst eifrig, ob es nicht besser wäre, jetzt auch zu verkaufen und wenigstens das zu retten, was noch übrig geblieben ist.

Und in so einer Situation raten dir unique investors,  auch noch nachzukaufen? – Undenkbar!

Diese Emotionen sind völlig menschlich und mir ging es während des Einbruchs im Zuge der China-Krise im Januar 2016 ähnlich.

Mein Aktienportfolio verlor beträchtlich an Wert und besonders meine am stärksten gewichtete Position, Hypoport AG, wurde heftig getroffen.

Ich erinnere mich noch genau, wie ich damals, mit noch wesentlich weniger Börsenerfahrung, zu Benedikt sagte:

„Hypoport ist jetzt von 80€ auf 50€ (mein Einstiegskurs: 39€) gefallen. Vielleicht erholen sie sich wieder etwas, aber seien wir ehrlich: Den alten Wert werden sie doch nie wieder erreichen!“

Zum Glück behielt ich, auch durch gutes Zureden von Benedikt, die Nerven und widerstand Panik-Verkäufen.

Leider war auch ich zu dieser Zeit noch nicht weit genug, um antizyklisch zu investieren und dementsprechend nachzukaufen.

Mittlerweile notiert Hypoport bei deutlich über 100€ pro Aktie.

Aus unserer Sicht sprechen viele Argumente für diese Strategie, die dir langfristig zu überdurchschnittlichen Renditen verhelfen kann.

Die Gründe für antizyklisches Investieren

Euphorie, Panik, Angst – all das sind Emotionen.

Besonders in extremen Phasen auf den Aktienmärkten spielen Gefühle eine entscheidende Rolle.

Und genau hier liegt der Vorteil von antizyklischem Investieren: In diesen Zeiten neigen viele Marktteilnehmer dazu, irrational zu handeln.

Sie lassen sich von der allgemeinen Grundstimmung, ob extrem positiv oder negativ, mitreißen.

Es kommt zu großen Übertreibungen. Häufig ist in Boomphasen zu beobachten, dass Unternehmen trotz negativer Entwicklungen und eigentlich schlechter Zukunftsaussichten im Wert steigen.

Genauso läuft es umgekehrt in Krisenzeiten auf den Aktienmärkten:

Fundamental hervorragend aufgestellte Firmen, die in allen Bereichen die Erwartungen übertreffen, erleiden dennoch Verluste.

Warum? Weil Aktienkurse einzig und allein aus dem Verhältnis von Angebot und Nachfrage resultieren.

Und wenn die Aktien eines „schlechten“ Unternehmens aufgrund allgemeiner Euphorie nach wie vor enorm gefragt sind, wird der Kurs auch weiterhin steigen.

Genauso kann ein Aktienkurs, egal wie gut das dazugehörigen Unternehmen ist, einem Verfall nicht widerstehen, wenn viele Anleger ihre Papiere panisch auf den Markt werfen.

Und genau in diesem Moment schlägt ein antizyklischer Investor, auch „Contrarian“ genannt, zu:

Er kauft hervorragende Aktien zu einem aufgrund der Panik der anderen Anleger günstigen Preis bzw. verkauft Werte, die durch die Euphorie der Massen in völlig übertriebene Höhen geschnellt ist.

Der berühmte Leitspruch lautet:

„Sei gierig, wenn andere ängstlich sind und ängstlich, wenn andere gierig sind!“ 

Berühmte Contrarian-Vertreter sind z.B. André Kostolany oder Warren Buffett.

Wir sind davon überzeugt, dass diese Investoren-Legenden einen Teil ihres sagenhaften Erfolges der Strategie des antizyklischen Investierens zu verdanken haben.

Nun gut, man soll also in Boomzeiten verkaufen und in Krisenphasen kaufen – doch woran erkennt man, dass es Zeit ist, zu handeln?

Was sind Anzeichen von Übertreibungen oder unverhältnismäßigen Abwertungen?

3 Signale, an denen du Übertreibungen auf den Aktienmärkten erkennst

1. Medien

Das wohl beste Signal für einen temporär stark „irrationalen“ Markt sind die Medien:

Wenn in Presse und Fernsehen Untergangsszenarien gezeichnet werden, kannst du davon ausgehen, dass viele andere Anleger panisch werden und die Kurse unverhältnismäßig stark nach unten drücken.

Analoges gilt, wenn jeden Tag neue, euphorische Meldungen über einen nicht enden wollenden Gipfelsturm aller Indizes kommen.

Alle wollen von der scheinbaren „Goldgrube“ Aktien profitieren und kaufen wahllos Unternehmen. die im Zuge dessen zu einer überzogenen Bewertung gelangt sind.

2. Jeder spricht über Aktien

André Kostolany drückte es in seinem hervorragenden Buch „Die Kunst über Geld nachzudenken“ folgendermaßen aus:

„Bat mich beispielsweise der Pilot ins Cockpit, um ein paar Tipps zu erfahren, oder fragte mich meine Caféhausbedienung, ob man Daimler oder besser IBM kaufen sollte, spürte ich, dass der Markt heißgelaufen war.“

Wenn du demgegenüber beim Erwähnen des Themas Aktien&Investment in deinem Umfeld auf starke Ablehung stößt, kannst du erahnen, dass gerade ein guter Einstiegszeitpunkt ist.

3. Keine Reaktion auf gute oder schlechte Nachrichten

Boomt die Wirtschaft und übertreffen die Unternehmen reihenweise die Erwartungen, ohne dass sich der Aktienkurs steigert, deutet das oft auf einen überkauften Markt hin und ein Investment kann sehr sinnvoll sein.

Werden stetig schwächere Ergebnisse ausgewiesen als erwartet, worauf die Kurse aber nicht mit Einbrüchen reagieren, ist der Markt oder die einzelne Aktie sehr häufig überkauft und du solltest darüber nachdenken, auszusteigen.

Obwohl es oft heißt, dass es nicht möglich ist, den Markt perfekt „abzutimen“:

Zumindest tendenziell ist es aber gut möglich, die grobe Marktphase zu erahnen, wenn du auf die obigen Anzeichen achtest.

Fassen wir also kurz zusammen:  Ein antizyklischer Investor erkennt die Marktphase und handelt dann entschlossen.

Doch reicht das, um ein erfolgreicher Antizykliker zu sein?

Wir sind der Meinung, dass du vor allem 3 Fähigkeiten brauchst, um zu einem guten Contrarian zu werden:

3 Eigenschaften, die du als antizyklischer Investor haben musst

1. Mut & Charakterstärke

Die ganze Finanzwelt liegt scheinbar in Trümmern, alle jammern, wie schlimm sie getroffen wurden und von überall hörst du:

„Lassen Sie jetzt ja die Finger von Aktien!“

Um in so einer Phase entgegen der Meinung aller zu investieren, benötigt man die berühmt berüchtigten „Eier“.

Vermutlich werden dich all deine Freunde und Bekannte für verrückt erklären und dir bei weiteren Einbrüchen noch mehr an den Kopf schmeißen, dass du alles falsch machst.

In so einer Situation können wir dir nur ans Herz legen:

Zeige Charakter und behalte die Nerven!

2. Liquidität

Wie wir schon in unserem Artikel Anlageformen & Kapitalaufteilung erwähnt haben, hat Liquidität, also sofort verfügbares Geld auf deinem Konto, eine äußerst wichtige Rolle in deinem Portfolio.

Für einen antizyklischen Investor ist Liquidität eine absolute Grundvoraussetzung.

Hast du nicht genügend Geld zur Verfügung, um im Crash handeln zu können, wirst du auch von der besten Einstiegsgelegenheit nicht profitieren können.

Es kann sogar noch schlimmer kommen:

Ist dein Liquiditätsanteil sehr niedrig und du benötigst aber für andere Ausgaben (Autoreparatur, Hochzeit etc.) einen beträchtlichen Betrag, kannst du gezwungen sein, Aktien zu verkaufen.

Wenn sich der Markt dann zu diesem Zeitpunkt gerade mitten in einer Abwärtsbewegung befindet, musst du wohlmöglich viel zu billig verkaufen.

Dies ist ein Worst-Case-Szenario, was dir unter keinen Umständen passieren sollte!

3. Zeit & Geduld

Wenn der Aktienmarkt gerade im Fallen ist, kann niemand genau sagen, wann die Gegenbewegung kommen wird.

Bei den letzten kleinen Krisen, dem China-Crash und dem Brexit, dauerte die Baisse nur einige Wochen.

Im Zuge des Brexits hatte ich aus meinem Fehler während der China-Krise gelernt und direkt am Morgen der Bekanntgabe des Votums bei Hypoport zu einem Kurs von 70€ je Aktie zugeschlagen.

Es ist durchaus möglich, dass ein „Bärenmarkt“ (Phase fallender Kurse) einige Jahre andauert.

Hier musst du Geduld beweisen und an die Sinnhaftigkeit deines Investments glauben.

Egal wie viele Rücksetzer noch kommen –  als antizyklischer Investor musst du eisern an deiner Idee festhalten (solange deine Investitionsgründe auch noch Bestand haben).

Ganz wichtig ist, dass du einen langfristigen Anlagehorizont hast.

Wenn du nur einmal für ein paar Monate mit Aktien zocken willst und schnelle Gewinne erzielen willst, ist antizyklisches Investieren nicht für dich geeignet.

Auch wenn all das dir einleuchtet und du jetzt meinst, dass eine antizyklische Herangehensweise genau das Richtige für dich ist, wollen wir das ganze etwas relativieren:

Antizyklisches Investieren ist nicht DIE ultimative Investment-Strategie.

Deshalb wollen wir dir noch einige Hinweise mit auf den Weg geben.

Einschränkungen – Was du beachten solltest

Du solltest das Konzept der Antizyklik defintiv nicht als generelles Credo verstehen!

Mehr noch: In Bezug auf die Handlungsanweisung, teuer zu verkaufen, vertreten wir eine etwas davon abweichende Haltung:

Für gute und langfristig wachstumsstarke Unternehmen lautet die beste Haltedauer: Für immer!

Wenn die Aktien eines Unternehmens seit langem kontinuierlich gestiegen sind und der Gesamtmarkt ebenfalls boomt, heißt das nicht zwingend, dass jetzt ein Verkaufszeitpunkt gekommen ist.

Prüfe für jeden einzelnen Aktientitel separat:

Ist die Aktie nur gestiegen, weil der Gesamtmarkt gestiegen ist?

Oder weil das Unternehmen tatsächlich stark aufgestellt ist und hervorragende Wachstumsaussichten besitzt?

Analog solltest du im Crash nicht wahllos die erstbesten Aktien kaufen.

Ein schwach geführter Konzern wird auch in einer Phase der Markterholung nicht unbedingt wieder steigen, wenn es dafür fundamental keine Gründe gibt.

Wir sind in der Vergangenheit gut damit gefahren, in Korrekturphasen Aktien von Unternehmen zu kaufen, die wir schon vor der Abwertung im Portfolio oder zumindest auf der Watchlist hatten.

So vermeidest du es, unbedachte Kaufentscheidungen zu treffen und legst automatisch bei Werten zu, die dich sowieso überzeugt haben.

Fazit

Fassen wir zusammen: Antizyklisches Investieren ist eine Timing-Strategie, mit der du es schaffen kannst, bei guten Unternehmen günstige Einstiegszeitpunkte zu finden.

Der wichtigste Punkt ist in unseren Augen, diese Strategie in Crashphasen im Hinterkopf zu haben.

Wenn andere panisch und ängstlich werden, solltest du kühlen Kopf bewahren und hervorragende Unternehmen zu günstigen Preisen kaufen.

Letztendlich kann es für einen guten antizyklischen Investor, der wirklich überzeugende Werte in seinem Portfolio hat, nie schlecht laufen auf dem Aktienmarkt:

In Krisenzeiten bietet sich ihm die Möglichkeit, in attraktive Unterbewertungen zu investieren.

Und in Boomphasen, wenn das Depot deutlich im grünen Bereich ist, lacht sowieso das Investoren-Herz.


Vertragsabschluss mit Tablet und Handschlag

Aktiv gemanagte Fonds - Warum sie kein gutes Investment sind

„Anlegen statt stilllegen“

Mit diesem Slogan bewirbt Deka, die bekannte Fondgesellschaft der Sparkassen, ihr Investment-Konzept.

Sie selbst bezeichnen es als „Initiative zur Förderung moderner Geldanlagen in Zeiten niedriger Zinsen.“

Zugegeben, die Beschreibung klingt durchaus trendig und attraktiv:

„Tanzen Sie beim Geldanlegen aus der Reihe und bringen Sie mehr Schwung in Ihre finanzielle Zukunft.“

Das klingt natürlich zunächst erst einmal toll. Doch betrachten wir das ganze Thema einmal Stück für Stück und fernab von diesen markigen, aber relativ inhaltslosen Phrasen.

Deka, DWS & Co – Was ist eine Fondgesellschaft überhaupt?

Fond – bzw. Investmentgesellschaften sind Firmen, die Geld von Anlegern sammeln und dieses dann „für dich“ investieren.

Dies passiert nach vorgegebenen Grundsätzen. Das heißt, dass du zu einem gewissen Grad festlegst, auf welche Art die Fondgesellschaft dein Geld investiert.

In der Praxis läuft das in der Regel so ab, dass dir eine Reihe von sogenannten Investmentfonds angeboten werden, von denen du börsengehandelte Anteile als Wertpapiere kaufen kannst.

Du kannst dir einen Investmentfond wie einen großen Topf vorstellen, in dem das Geld vieler Anleger gebündelt wird, welches dann der Fondmanager nach bestem Wissen und Gewissen in verschiedene Anlagemöglichkeiten investiert.

So gibt es z.B. reine Aktienfonds, bei denen das gesamte Kapital in verschiedene Aktientitel investiert wird, aber auch Mischfonds, wo das Geld in unterschiedlichste Anlageformen wie Anleihen, Immobilien oder Devisen fließt.

Das Ziel des Fondmanagers ist es selbstverständlich, letztendlich gewinnbringend zu investieren.

Wir wollen gar nicht lange um den heißen Brei herumreden – aus unserer Sicht machen nur die wenigsten Fondmanager ihren Job gut.

Darüber hinaus sind wir der Meinung, dass das ganze Konzept aktiv gemanagter Fonds nur für die Fondgesellschaften, aber nicht für dich als Anleger lukrativ ist.

Warum, wollen wir dir anhand einer kleinen Fallstudie zeigen.

Der Praxistest: Aktiv vs. Passiv gemanagte Fonds

Was aktive Fonds sind und wie sie funktionieren, haben wir dir nun erklärt.

Die Alternative, passiv gemanagte Fonds bzw. ETFs, kennst du schon aus unserem Artikel „Pay yourself first – Wie du auch mit wenig Geld ein großes Vermögen aufbaust“.

Das Konzept von ETFs ist ganz simpel ausgedrückt, mit ihnen einen bestimmten Index wie den DAX oder S&P500 abzubilden.

Das heißt, dass sich in der Regel ein DAX ETF nahezu identisch entwickelt wie der deutsche Leitindex.

Diese beiden Anlageformen haben auf dem Finanzmarkt eine ähnliche Rivalität wie sie im Fussball zwischen Schalke und Dortmund oder Barca und Real Madrid herrscht.

Doch während es bei den Fussballvereinen absolut in Ordnung ist, geteilter Meinung zu sein, kann es aus unserer Sicht bei den zwei Arten von Fonds nur eine geben:

ETFs schlagen aktiv gemanagte Fonds um Längen.

Natürlich wollen wir dir das auch belegen. Dazu vergleichen und prüfen wir für dich jeweils zwei repräsentative Vertreter der jeweiligen Fondarten.

Selbstverständlich wollen wir neutral und objektiv bleiben und das Bild nicht verzerren, indem wir aus der einen Kategorie Top-Performer und aus der anderen Enttäuschungen herauspicken.

Mehr noch: Wir nehmen die laut diversen Tests prämierten besten Fondgesellschaften im deutschen Raum.

Du dürftest sicher schon einmal von ihnen gehört haben: Die schon oben erwähnte Deka – und DWS, die Fondgesellschaft der Deutschen Bank.

Die Performance: Der 5-Jahres-Vergleich

Investmentfonds:

ETFs:

Wertentwicklung seit 19.09.2012

Deka Fond: 61,6%

DWS Fond: 59,8%

MSCI World ETF: 78,5%

S&P 500 ETF: 103%

Die Kosten – Der K.O. Kritikpunkt

Investmentfonds:

ETFs:

Testauswertung: Warum ETFs wesentlich lukrativer sind

Eindeutiger könnte das Ergebnis nicht sein: Aktiv gemanagte Fonds, selbst die Top-Vertreter, performen schlechter als große Leitindizes wie der MSCI World oder S&P 500 und kosten dazu auch noch wesentlich mehr.

Besonders der Unterschied im Kostenpunkt ist gravierend:

Während bei ETFs im allgemeinen nur Kosten in Höhe von unter 1% pro Jahr anfallen, gibt es bei aktiv gemanagten Fonds mehrere extrem stark zu Buche schlagende Gebühren.

Zunächst wird schon beim Kauf eines Fonds der Ausgabeaufschlag fällig, welcher hier zwischen 3,75% und 5% liegt.

Das bedeutet in der Praxis, dass wenn du z.B. 10 000€ investieren willst schon 375 bis 500€ ohne dass auch nur eine minimale Rendite erwirtschaftet wurde von deinem Investitionskapital abgezogen werden und direkt in die Taschen der Fondgesellschaft fließen.

Vor allem langfristig hat das enorme Auswirkungen, da die gesamte erzielte Rendite sich auf 9 625 bzw. 9500€ bezieht und nicht, wie du es eigentlich wolltest, auf deine 10 000€.

Dazu kommen die Verwaltungsgebühren, die in der Regel zwischen 1 und 1,5% pro Jahr liegen.

Dies führt zu einem beträchtlichen Unterschied zwischen Brutto – und Nettorendite, die du im Kopf abziehen solltest, wenn dir ein Bankberater von der tollen Wertentwicklung der letzten Jahre erzählt.

Und als wäre das noch nicht genug gibt es einen signifikanten Unterschied zwischen An – und Verkaufspreis der Fonds.

In der Kostenübersicht kannst du diesen bei den Punkten Ausgabepreis und Rücknahmepreis ablesen. Auch hier kannst du mit circa 5% rechnen.

Daran kann man zwei Dinge erkennen: Neben der sowieso schlechteren Performance gegenüber ETFs wird die ohnehin enttäuschende Rendite durch die zahlreichen Kosten nochmals geschmälert.

Und aufgrund des Ausgabeaufschlags und dem Rücknahmeabschlag musst du deinen Fond schon einige Zeit laufen lassen, damit zumindest einmal die Kosten gedeckt werden und du nicht sogar im Verlustbereich landest.

Und um es noch einmal ganz deutlich herauszustellen: Fondmanager bekommen (wir sagen bewusst nicht „verdienen“) Millionengehälter.

Die Rechtfertigung für diese sind eigentlich, dass sie durch ihr aktives Management eine bessere Rendite erzielen sollen als der Gesamtmarkt, also dem Querschnitt aus guten und schlechten Aktien.

In den allermeisten Fällen schaffen sie es aber nicht einmal, zumindest die selbe Wertentwicklung wie die großen Indizes zu erreichen.

Du bezahlst also teuer dafür, dass die Fondmanager mehr „schlechte“ (also unterdurchschnittliche) als gute Investments tätigen.

Den Beruf eines Fondmanagers kann man also fast schon als Traumjob bezeichnen: Für schlechte Leistungen bekommt man ein absolutes Topgehalt. Wo gibt es das sonst?

Vielleicht sollten wir es anders formulieren: Fondmanager machen zwar für dich einen schlechten Job, aber für ihren Arbeitgeber, die Fondgesellschaft, liefern sie absolute Topergebnisse.

Nämlich Millionen an Gebühren und Provisionen.

Doch warum ist das so? Warum erreichen solche „Investmentprofis“ so schlechte Ergebnisse?

Und warum sind immernoch viel mehr Menschen in aktiven als in passiven Fonds investiert (obwohl hier zum Glück langsam ein rückläufiger Prozess einsetzt)?

Die Manipulation der Banken, die „Naivität“ der Kunden, das allgemeine Vergütungssystem – die Gründe sind vielfältig.

Warum Fondmanager schlechter als der Gesamtmarkt performen

Der Fehler liegt im Konzept von Fondgesellschaften: Sie verdienen ihr Geld primär nicht mit starker Performance, sondern mit den hohen Gebühren.

Der entscheidende Punkt ist also nicht, wie gut die Rendite des Fonds war, sondern das möglichst viel Kapital in ihm gesammelt ist und immer neues hinzufließt.

Drücken wir es noch krasser aus: Ein Fondmanager ist nur daran interessiert, dass alle Investoren so lange wie möglich investiert bleiben und ständig neue Kunden dazukommen.

Ob er nun eine gute oder weniger überzeugende Performance erzielt ist für ihn zweitrangig, da allein durch die Gebühren des Fonds Mehrwert für seinen Arbeitgeber entsteht.

Dementsprechend richtet er auch seine Investmentstrategie aus: Er will lieber eine schwächere Rendite erzielen und das Risiko von Verlusten reduzieren, als höhere Gewinne anzuvisieren und dafür zeitweise Verluste zu riskieren.

Warum? Weil das negative Gefühl, das Menschen bei Verlusten empfinden, wesentlich stärker ist als die positiven Gefühle, die man bei Gewinnen hat.

Der Fondmanager erreicht sein Ziel, möglichst viel Kapital im Fond zu behalten und neues hinzuzugewinnen besser, wenn er „stabile“, kleinere Renditen erzielt als wenn er Verluste in Kauf nimmt und höhere Gewinne anpeilt.

Die wenigsten Kunden werden mit 3-4% Rendite pro Jahr wirklich zufrieden sein, aber es ist ihnen lieber als potenzielle Verluste zu riskieren. Und so belassen sie ihr Geld im „sicheren“ Fond.

Das liegt leider in der Natur des Menschen. Die Wissenschaft bezeichnet dieses Phänomen als „Verlustaversion“.

Überprüfe es bei dir selbst: Wie gut hast du dich gefühlt, als du zuletzt etwas gewonnen oder bekommen hast? Und wie stark war das negative Gefühl, als du zuletzt etwas verloren hast?

Leider ist dieses Denkmuster beim Investieren tödlich: Wer keine Risiken eingeht hat auch keine Chancen auf signifikante Gewinne.

Natürlich kannst du jetzt sagen: „Für mich ist aber wirklich wichtiger, zumindest nicht ins Minus zu kommen. Mir reicht ein kleiner Gewinn, wenn ich dadurch nichts riskiere.“

Das ist zunächst einmal eine absolut verständliche Einstellung. Jedoch musst du zwei Aspekte beachten:

Die hohen Kosten eines Fonds machen es unausweichlich, dass eine attraktive Rendite erzielt werden muss, da sonst einfach am Ende viel zu wenig übrig bleibt.

Und das „Verlustrisiko“ wird von den meisten überschätzt. Natürlich kann es einmal einen Zeitraum geben, in dem die Wertentwicklung negativ ist.

Jedoch geht die langfristige Entwicklung der Aktienmärkte auf lange Sicht historisch gesehen trotz aller Krisen&Crashs stetig nach oben.

Und es gibt aus unserer Sicht keinen realistischen Anhaltspunkt, dass sich das in absehbarer Zeit ändert.

Die Königsdisziplin des Investierens wäre es sogar, Zeiten von Verlusten zu nutzen, um günstig nachzukaufen und dann von der Erholung der Märkte zu profiteren.

Außerdem gibt es absolut gar keinen belegbaren Fakt, der zeigt, dass die großen Indizes wie der Dax oder S&P 500 ein höheres Risiko haben als ein normaler Aktienfond.

Die Volatilität (Schwankung) ist, wie du in den Charts oben erkennen kannst, nicht größer und auch die Diversifikation ist, besonders bei extrem breit aufgestellten Indizes wie dem MSCI World oder dem S&P 500, nicht niedriger.

Trotz all dieser Negativaspekte: Jedes Jahr investieren Millionen von Menschen in aktiv gemanagte Fonds. Für die Banken ist das ein riesiges Geschäft.

Doch wie schaffen sie das? Wir haben dafür 3 Taktiken ausgemacht:

3 Taktiken, wie Banken dich zum Investieren in aktive Fonds bringen

Marketing

Banken bewerben ihre Investmentfonds sehr stark. Es wird auf attraktiv klingende Phrasen fernab von realen Fakten gesetzt (wie z.B. die Slogans der Deka oben).

Wer sich nicht intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt hat, kann schnell von diesen Sprüchen verblendet werden.

Unverzinstes Konto als Vergleichsgruppe

Oft werden Kunden zum Investieren motiviert, indem als Alternative zu Fonds das unverzinste Tages- oder Girokonto aufgezeigt wird.

Nach dem Motto: „Lassen sie ihr Geld nicht auf dem Konto von der Inflation auffressen sondern investieren sie es in Investmentfonds.“

Dasss jedoch auch die Möglichkeit des Investierens in ETFs oder gar Einzelaktien besteht, wird meist in den „Beratungsgesprächen“ (wir finden passender: Verkaufsgesprächen), völlig außen vor gelassen.

Verkomplizierung, Verwirrung und Verleiten zum Verantwortung abgeben

Wenn du schon einmal eine Anlageberatung bei einer Bank hattest wirst du wissen wovon wir sprechen:

Der Berater bombardiert dich regelrecht mit Zahlen, Fremdwörtern, Statistiken und einem häufig ellenlangen „Anlageprospekt“.

Mir ging es zu Anfang meiner Investment-Laufbahn während eines Beratungsgesprächs bei der Deutschen Bank zeitweise so, dass ich für einen kurzen Moment unterbewusst fast schon dazu geneigt war einfach „Ja“ zu sagen.

„Bankberater“ sind letztendlich nichts weiter als Verkäufer. Ihre Kernkompetenz ist nicht primär ein starkes Verständnis für Investment, sondern liegt im überzeugen, überreden und in gewisser Weise manipulieren.

Dir wird eingeredet, die Finanzwelt sei viel zu komplex und es gäbe doch Experten, die für dich den Job machen können.

Du als „normaler Bürger“ seist gar nicht in der Lage, im Investment Bereich selbst sinnvolle Entscheidungen treffen zu können.

Das soll dich aber im Endeffekt nur dazu verleiten, Verantwortung abzugeben, dem Rat deines Beraters blind zu folgen und damit genau das zu tun was Banken wollen:

Ihre überteuerten und unlukrativen Produkte kaufen.

Zum Glück tat ich es damals nicht und habe stattdessen ein paar Wochen später nach intensiver Beratung mit Benedikt meine ersten 5 Einzelaktien gekauft: Hypoport, S+T, SNP, AT+S und Borussia Dortmund.

Wir übernahmen Eigenverantwortung für unsere finanziellen Entscheidungen. Es wurde zu einer Erfolgsstory.

Fazit: Warum aktiv gemanagte Fonds kein gutes Investment sind

Schwache Performance, hohe Kosten – mehr Attribute braucht es nicht, um eine Investment-Strategie als unbrauchbar zu bewerten.

Hinzu kommt meist sogar noch Intransparenz – welche Entscheidungen der Fondmanager genau getroffen hat, wird dir selten explizit dargelegt.

„60% wurden in europäische Aktien investiert, 20% in amerikanische, 10% in Entwicklungsländer und die restlichen 10% in Rohstoffe.“

Nach diesen Informationen ist dir der Verbleib deines Geldes fast genauso unklar wie zuvor.

Machen wir es kurz:

Wenn dir die Rendite des Gesamtmarktes genügt, du noch kein fundiertes Investment-Wissen besitzt und nicht so viel Zeit für das Befassen mit geeigneten Einzelaktien aufwenden willst sind ETFs eine hervorragende Variante – kostengünstig, gut diversifiziert und transparent.

Investmentfonds hingegen haben natürlich auch eine gewisse Wertentwicklung und sind sicher besser, als gar kein Investment (wenn du nicht grad einen ganz schwachen Fondmanager erwischst).

Jedoch haben sie gegenüber ETFs keinen nennenswerten Vorteil was das Ertragspotenzial angeht und die riesigen Nachteile Intransparenz und hohe Kosten.

Deshalb überlassen wir das Schlusswort der Investoren- Legende Warren Buffett:

„Wenn Billionen von Dollar von Wall-Street-Managern verwaltet werden, die hohe Gebühren verlangen, werden es in der Regel die Vermögensverwalter sein, die enorme Gewinne machen, und nicht die Kunden.“

„Können Sie sich einen Anlageberater vorstellen, der seinen Kunden Jahr um Jahr empfiehlt, mehr Geld in einen Indexfond anzulegen, der den S&P 500 nachbildet? Das wäre beruflicher Selbstmord“