Es gibt kaum einen Lebenstraum, der tiefer in den meisten Menschen verankert ist: Die eigenen vier Wände.

Die großen Banken haben sich das, clever wie sie sind, zu Nutze gemacht und ein speziell dafür konzipiertes Finanzprodukt entwickelt:

Den Bausparvertrag.

Und der Erfolg scheint ihnen Recht zu geben:

Der Bausparvertrag wurde bisher rund 26 Millionen mal verkauft und ein Ende des Booms ist noch längst nicht in Sicht – jährlich werden circa 2 Millionen Neuverträge abgeschlossen.

Die gesamte abgeschlossene Bausparsumme beträgt unglaubliche 800 Milliarden Euro – das entspricht in etwa der Marktkapitalisierung aller 30 DAX Unternehmen.

In der freien Marktwirtschaft heißt es häufig: „Der Konsument hat immer recht.“ 

Wenn also so viele Menschen einen Bausparvertrag abgeschlossen haben, dann muss er doch auch sinnvoll sein, oder?

Mit diesem Artikel wollen wir dir aufzeigen, warum genau das Gegenteil der Fall ist.

Wie funktioniert ein Bausparvertrag?

Der Grundgedanke eines Bausparvertrags wird häufig mit der Idee des „gemeinsamen Sparens“ umschrieben.

Er dient der langfristigen Realisierung von sogenannten „wohnwirtschatlichen Zwecken“, worunter der Kauf oder die Renovierung von Immobilien, das Bezahlen von Inneneinrichtung und das Tilgen von Immobilienkrediten fällt.

Im Bausparvertrag wird eine bestimmte Bausparsumme festgelegt, die nach Ablauf des Vertrages realisiert sein soll.

Dazu werden drei Phasen durchlaufen:

Ansparphase:

Zuerst „spart“ der Kunde einen vertraglich festgelegten prozentualen Anteil der Bausparsumme.

Dieser beläuft sich im Schnitt auf circa 40-50%. Die Besonderheit hierbei ist, dass die monatliche Ansparrate um einen garantierten Betrag verzinst wird.

Dieser Garantiezins ist in Folge des allgemein niedrigen Zinsniveaus in den letzten Jahren immer weiter zurück gegangen. Aktuell liegt er bei ca. 1,5%.

Zuteilungsphase:

Ist die festgeschriebene Sparsumme erreicht und alle anderen Kriterien (Mindestsparzeit, Garantien etc.) erfüllt, erfolgt die Zuteilung, also die Freigabe des Kredits durch die Bausparkasse. Das ist der Betrag, der zur gesamten Bausparsumme fehlt.

Darlehensphase:

Nun kommt es zur Auszahlung des Kredits, mit dem der Kunde letztendlich sein Vorhaben umsetzen kann.

Das Kapital wird durch den „großen Topf der Bausparer“ finanziert, speist sich also aus dem durch alle Bausparer in der Ansparphase angehäuften Geld.

Daher kommt der am Anfang erwähnte Grundgedanke des „gemeinsamen Sparens“. Anschließend zahlt der Kunde in monatlichen Raten das Darlehen zurück.

Der Darlehenszins, also die Kosten des Kredits, sind ebenfalls vorab festgelegt und somit unabhängig von den Zinsen am Geldmarkt.

Beispiel: Bausparvertrag einer großen deutschen Bausparkasse

Vor – und Nachteile anhand der Argumentation eines großen deutschen Kreditinstituts

Schauen wir uns die sogenannten „6 guten Gründe für Bausparen“ einmal an.

1. Eigenkapital aufbauen und niedrige Zinsen sichern

Durch Bausparverträge wird Eigenkapital aufgebaut – das ist wie als würde man sagen, man trainiert seine Muskeln, indem man jeden Tag eine Packung von 6 Wasserflaschen vom Supermarkt nach Hause trägt.

Der Effekt ist minimal. Wie oben schon erwähnt beträgt der Zins auf das in der Ansparphase aufzubauende Kapital ca. 1,5% – das ist niedriger als die Inflationsrate.

Und dabei sind die zahlreichen Kosten, zu denen wir später noch kommen, nicht einmal mit eingerechnet.

Hier ernsthaft von Vermögensaufbau zu sprechen ist schlicht und ergreifend lächerlich.

Außerdem sichert man sich durch einen Bausparvertrag niedrige Zinsen. Das stimmt zwar soweit, jedoch steht dieses Argument auf extrem wackligen Füßen.

Die derzeit niedrigen Zinsen kann man sich auch durch einen herkömmlichen Kredit sichern, wo die anderweitigen Kosten eines Bausparvertrags (Abschluss- und Verwaltungsgebühr) nicht anfallen.

Es kann auch niemand vorhersagen, ob die Zinsen in den nächsten Jahren wieder signifikant steigen. Die Anzeichen sprechen eher dagegen.

Sollte in Zukunft also kein rasanter Anstieg des Zinsniveaus erfolgen, wäre dieses Argument völlig bedeutungslos.

Ein Finanzprodukt auf der Schätzung einer unvorhersehbaren wirtschaftlichen Entwicklung aufzubauen ist unserer Meinung nach indiskutabel.

2. Langfristige Planungssicherheit

Was hier als großer Vorteil angepriesen wird, ist in unseren Augen eines der Kernprobleme.

Planungssicherheit heißt in diesem Kontext nichts weiter, als dass dein Kapital auf Jahre im Bausparvertrag „gefangen“ ist.

Allein die Ansparphase dauert im Allgemeinen ca. 5 Jahre.

Wenn wir vom obigen Beispiel des Vertrags ausgehen, bedeutet das also eine monatliche Sparrate von 500€ (da Ansparsumme = 30 000€).

Danach folgen 10 Jahre der Kreditrückzahlung mit einer Monatsrate von über 400€.

In der ersten Phase wird der „Vermögensaufbau“ mit 1,5% Zinsen unterstützt, in der Darlehensphase fallen logischerweise sogar Darlehenszinsen (hier 2,15%) an, es wird also „negativer Vermögensaufbau“ betrieben.

Halten wir fest: Ein Bausparvertrag verschafft dir also Planungssicherheit darüber, dass du dein Geld nicht für wesentlich bessere Anlageformen nutzen kannst.

„In spätestens 10 Jahren wollen wir unseren Traum vom eigenen Haus verwirklichen.“ – Sonja (29) und Stefan (32).

So bewirbt eine große deutsche Bausparkasse ihren Bausparvertrag.

Die heutige Zeit ist so schnelllebig, dass solche extrem langfristigen Aussagen schon in kürzester Zeit keine Bedeutung mehr haben können.

Um über viele Jahre die geforderten Spar- und Darlehensraten bedienen zu können, darf sich finanziell beim Kunden nichts verschlechtern.

Wer garantiert, dass Sonja und Stefan in den nächsten Jahren ihr Gehaltsniveau halten können bzw. nicht in die Arbeitslosigkeit rutschen?

Oder dass einer ihrer Eltern nicht zum Pflegefall wird und sie ein teures Altersheim bezahlen müssen? Oder sie selbst erkranken und berufsunfähig werden?

Oder sie in 10 Jahren überhaupt noch ein (Ehe-)Paar sind?

Es gibt unzählige Szenarien, die den Traum vom Eigenheim zerstören können und den Bausparvertrag zur zusätzlichen Last werden lassen können.

Und ganz am Rande: Dass die Bezeichnung „Traum“ in Bezug auf ein Eigenheim sehr diskutabel ist und in fast allen Fällen genau das Gegenteil ist, zeigen wir dir hier:

Und an der entscheidenden Stelle ist es um die Planungssicherheit dann doch nicht so gut bestellt:

Der Zeitpunkt der Darlehenszuteilung.

Ein Bausparvertrag gibt keinen festen Zeitpunkt an, wann dem Kunde tatsächlich das Darlehen bewilligt wird.

Obwohl das doch eigentlich wichtig wäre, um z.B. für den Kauf eines Eigenheims „Planungssicherheit“ zu haben, oder?

3. Staatliche Förderung

Arbeitnehmerzulage von 9%/Jahr, Wohnungsbauprämie von 8%/Jahr und Riester-Förderung.

Das klingt natürlich erstmal grandios und wird in Beratungsgesprächen (wir finden passender: Verkaufsgespräche) als „Sahnehaube“ präsentiert, nach dem Motto:

„Sie können sich sogar noch exklusive Förderungen vom Staat sichern, worauf warten sie noch?“.

Wie so häufig im Leben trügt der Schein jedoch.

Die Arbeitnehmerzulage und Wohnungsbauprämie wird nur Personen gewährt, welche die Einkommensgrenzen von 17 900€ (ANZ) bzw. 25 600€/Jahr (WBP) nicht überschreiten.

Die Krux: Menschen, die unterhalb dieser Grenzen liegen, werden kaum in einigermaßen sinnvoller Weise in der Lage sein, die Spar- und Darlehensraten zu bedienen.

Davon abgesehen ist die Höhe dieser Förderungen so gering, dass sie im Verhältnis zum Gesamtvolumen und den Kosten gar nicht erwähnenswert sind.

Die 9 bzw. 8% beziehen sich nur auf Maximalbeträge  von 512€ bzw. 470€.

Selbst wenn man also für diese Förderungen berechtigt ist:

Ob 46€ bzw. 43€ im Jahr bei auf der anderen Seite derart hohen Kosten hier als gewichtige Argumente gelten können, ist äußerst fragwürdig.

Einzig die Riester Förderung können der Großteil der Kunden nutzen. Jeder Arbeitnehmer, der in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlt, hat Anspruch auf jährlich 154€.

Das große Argument „staatliche Förderung“ baut sich also auf gerade einmal 154€ im Jahr auf.

Vergleicht man das mit den enormen Kosten, kann man vom berühmten „Tropfen auf den heißen Stein“ sprechen.

4. Ausgezeichnete Anbieter

Ein großes deutsches Kreditinstitut wirbt hier damit, laut einem Test ein „ausgezeichneter Anbieter“ zu sein.

Auch hier eine kleines Beispiel:

Der Tabellenführer der 3. Bundesliga kann sich mit Recht als sehr gut bezeichnen – in Bezug auf seine unterklassige Kategorie.

Verglichen mit einem Verein der 1. oder 2. Liga ist er hingegen kaum konkurrenzfähig.

Genauso verhält es sich beim Thema Bausparverträge. Selbst der beste Anbieter weist die oben aufgeführten krassen Negativaspekte auf, nur in etwas „geschönter Form“.

Der beste Anbieter hat dann vielleicht statt 1,5% einen Garantiezins von 1,7%, eine Ausgabegebühr von „nur“ 1% auf die Gesamtsumme (also auch die Ansparsumme!) statt 2% und einen Darlehenszins von 2,1 statt 2,3%.

All das ändert jedoch überhaupt nichts daran, dass Bausparverträge in ihrer Grundstruktur durch die enormen Kosten für den Kunden unlukrativ sind und zu Abhängigkeiten führen (Vertrag über viele Jahre).

5. Cleverer Baustein der Immobilienfinanzierung

Warum das Wort „clever“ mit einem Bausparvertrag wenig zutun hat. haben wir dir hoffentlich in den vorherigen Punkten ausreichend erläutert.

Und als kleiner Vorgriff auf den oben verlinkten Artikel über den Sinn und Unsinn von Eigenheimen:

Die Realisierung von selbst genutzten Immobilien oder gar Inneneinrichtung über jede Form von Krediten macht finanziell in keinem Fall Sinn.

Egal wie oft es dir Banken erzählen: Ein Eigenheim ist keine Investition, sondern ein Konsumgut.

Und Konsumgüter solltest du niemals, wirklich niemals fremdfinanzieren, sonst gehst du ein hohes Risiko ein, bankrott zu gehen. Aber mehr dazu wie gesagt im Eigenheim-Artikel.

6. Verwendungsmöglichkeiten

Hier macht es uns das als Beispiel herangezogene Kreditinstitut besonders leicht. In der näheren Erläuterung zu diesem Argument gibt sie an, dass über das Bausparguthaben frei verfügt werden kann.

Die Qualität besteht also darin, über sein eigenes Geld frei entscheiden zu dürfen. Beachtlich, oder?

Eine Einschränkung macht sie aber dennoch: Wer die zuvor angepriesenen staatlichen Förderungen nicht verlieren möchte, kann über das Guthaben erst nach Ablauf der 7-jährigen Bindungsfrist verfügen.

Fazit

Wenn du nach einer teuren Möglichkeit sucht, dich auf viele  Jahre in eine finanzielle Abhängigkeit zu begeben, dann bist du mit einem Bausparvertrag gut beraten.

Wenn du das jedoch nicht willst raten wir dir mehr als deutlich von diesem Finanzprodukt ab.