Was würdest du antworten, wenn dich jemand fragt, ob du dich eher in der Gruppe oder als Einzelgänger wohlfühlst?

Würden wir 100 Leuten diese Frage stellen, würden ungefähr 95 von ihnen angeben, dass sie sich in der Gruppe wohler fühlen.

Das ergab zumindest erst kürzlich eine Studie von Wissenschaftlern der Universität Leeds.

„Wir Menschen sind genetisch darauf programmiert, Herdentiere zu sein. Wir lebten die meiste Zeit als Jäger und Sammler in kleinen Gruppen.“

So umschrieb 2012 der US-amerikanische Sozialwissenschaftler Ben Zablocki die Tendenz, dass wir in den meisten Lebenssituationen das tun, was der Großteil unserer Mitmenschen auch tut.

Egal in welchem Bereich: Folgt man dem generellen Trend, fühlt man sich sicher und wird in seinem Handeln logischerweise von vielen seiner Mitmenschen bestätigt.

„Wenn so viele Leute es auf diese Art machen, kann es nicht falsch sein.“ – Diese Haltung ist bei den meisten von uns tief verankert.

Handelt man jedoch gegen den allgemeinen Konsens, ist man häufig direkt in der Position, sich rechtfertigen zu müssen und muss sich der Kritik der anderen aussetzen.

Dieser Weg ist viel anstrengender und erfordert einiges an Charakterstärke und Selbstvertrauen.

Scheitert man auf seinem eigenen Weg, hört man dann häufig: „Ich habs dir doch gesagt.“

Doch warum ist das so?

Sehr wahrscheinlich geht dieses Denk- und Handlungsmuster auf unsere evolutionären Wurzeln zurück.

Vor Millionen von Jahren waren unsere Vorfahren Jäger und Sammler und agierten grundsätzlich in Gruppen.

Das hatte viele Vorteile: Man konnte sich gegenseitig unterstützen und war in der Gemeinschaft viel besser gewappnet gegen alle urzeitlichen Gefahren, sei es bei Angriffen von Raubtieren oder bei der Nahrungsmittelsuche.

Wenn man aus der Gruppe verstoßen wurde, reduzierten sich die Überlebenschancen massiv. Somit war man stets bestrebt, in der Gruppe zu bleiben.

Dieses Handlungsmuster unserer Vorfahren hat sich in unsere Genetik eingebrannt und bestimmt damit noch heute oft unser Leben.

In den meisten Bereichen ist die sogenannte „Schwarmintelligenz“ auch durchaus von Vorteil.

Doch auch beim Investieren? Wir glauben, dass genau das Gegenteil der Fall ist.

Warum, wollen dir in diesem Artikel näher erläutern.

Antizyklisches Investieren- Was bedeutet das eigentlich?

Die Erklärung steckt bereits in der Bezeichnung: „Antizyklisch“ heißt nichts weiter als „entgegen des Zyklus“.

Vereinfacht ausgedrückt steckt hinter dem Konzept des antizyklischen Investierens die Idee, in Phasen steigender Märkte („Hausse“) zu verkaufen und in Krisenzeiten oder fallenden Märkten („Baisse“) zu kaufen.

Es handelt sich genauer gesagt also um eine sogenannte Timing-Strategie, das heißt, dass das Konzept des antizyklischen Investierens dir einen Anhaltspunkt gibt, wann der richtige Zeitpunkt zum Investieren ist.

Das Wort „anti“ ist hier sogar noch weitreichender: Wenn man antizyklisch investiert, handelt man auch entgegen eines Großteils der anderen Marktteilnehmer.

Intuitiv nehmen Menschen etwas positiver wahr, wenn es eine positive Tendenz hat und umgekehrt.

Die Wenigsten wollen ihr Geld in etwas investieren, dass sich im Abwärtstrend befindet. Doch genau darauf beruht antizyklisches Investieren.

Wir geben zu: Ganz leicht ist es nicht, auf diese Art zu investieren.

In Boomphasen überschlagen sich die Medien mit euphorischen Meldungen zum Aktienmarkt.

All-Time-Highs werden geknackt, Unternehmen erhöhen ihren Wert nahezu täglich und Experten finden immer neue Gründe, warum die Hochphase noch lange nicht vorbei ist.

Wer will in so einer Zeit verkaufen und bei den möglichen künftigen Anstiegen nicht mehr dabei sein?

Vielleicht noch ein Stück schwieriger ist es in Krisen – oder gar Crashzeiten: Der Wert deines Depots sinkt immer weiter und die ganze Finanzwelt ist in Aufruhr.

„Dax 30% im minus – und ein Ende ist noch lange nicht in Sicht“

„Retten sie ihr Geld, bevor es zu spät ist!“

„Der Tod der Aktie“

Wer wird bei solchen Schlagzeilen nicht panisch?

Dir scheint dein hart erarbeitetes Geld immer mehr zu entrinnen. Experten sprechen gar vom völligen Zerfall des Aktienmarktes.

Du grübelst eifrig, ob es nicht besser wäre, jetzt auch zu verkaufen und wenigstens das zu retten, was noch übrig geblieben ist.

Und in so einer Situation raten dir unique investors,  auch noch nachzukaufen? – Undenkbar!

Diese Emotionen sind völlig menschlich und mir ging es während des Einbruchs im Zuge der China-Krise im Januar 2016 ähnlich.

Mein Aktienportfolio verlor beträchtlich an Wert und besonders meine am stärksten gewichtete Position, Hypoport AG, wurde heftig getroffen.

Ich erinnere mich noch genau, wie ich damals, mit noch wesentlich weniger Börsenerfahrung, zu Benedikt sagte:

„Hypoport ist jetzt von 80€ auf 50€ (mein Einstiegskurs: 39€) gefallen. Vielleicht erholen sie sich wieder etwas, aber seien wir ehrlich: Den alten Wert werden sie doch nie wieder erreichen!“

Zum Glück behielt ich, auch durch gutes Zureden von Benedikt, die Nerven und widerstand Panik-Verkäufen.

Leider war auch ich zu dieser Zeit noch nicht weit genug, um antizyklisch zu investieren und dementsprechend nachzukaufen.

Mittlerweile notiert Hypoport bei deutlich über 100€ pro Aktie.

Aus unserer Sicht sprechen viele Argumente für diese Strategie, die dir langfristig zu überdurchschnittlichen Renditen verhelfen kann.

Die Gründe für antizyklisches Investieren

Euphorie, Panik, Angst – all das sind Emotionen.

Besonders in extremen Phasen auf den Aktienmärkten spielen Gefühle eine entscheidende Rolle.

Und genau hier liegt der Vorteil von antizyklischem Investieren: In diesen Zeiten neigen viele Marktteilnehmer dazu, irrational zu handeln.

Sie lassen sich von der allgemeinen Grundstimmung, ob extrem positiv oder negativ, mitreißen.

Es kommt zu großen Übertreibungen. Häufig ist in Boomphasen zu beobachten, dass Unternehmen trotz negativer Entwicklungen und eigentlich schlechter Zukunftsaussichten im Wert steigen.

Genauso läuft es umgekehrt in Krisenzeiten auf den Aktienmärkten:

Fundamental hervorragend aufgestellte Firmen, die in allen Bereichen die Erwartungen übertreffen, erleiden dennoch Verluste.

Warum? Weil Aktienkurse einzig und allein aus dem Verhältnis von Angebot und Nachfrage resultieren.

Und wenn die Aktien eines „schlechten“ Unternehmens aufgrund allgemeiner Euphorie nach wie vor enorm gefragt sind, wird der Kurs auch weiterhin steigen.

Genauso kann ein Aktienkurs, egal wie gut das dazugehörigen Unternehmen ist, einem Verfall nicht widerstehen, wenn viele Anleger ihre Papiere panisch auf den Markt werfen.

Und genau in diesem Moment schlägt ein antizyklischer Investor, auch „Contrarian“ genannt, zu:

Er kauft hervorragende Aktien zu einem aufgrund der Panik der anderen Anleger günstigen Preis bzw. verkauft Werte, die durch die Euphorie der Massen in völlig übertriebene Höhen geschnellt ist.

Der berühmte Leitspruch lautet:

„Sei gierig, wenn andere ängstlich sind und ängstlich, wenn andere gierig sind!“ 

Berühmte Contrarian-Vertreter sind z.B. André Kostolany oder Warren Buffett.

Wir sind davon überzeugt, dass diese Investoren-Legenden einen Teil ihres sagenhaften Erfolges der Strategie des antizyklischen Investierens zu verdanken haben.

Nun gut, man soll also in Boomzeiten verkaufen und in Krisenphasen kaufen – doch woran erkennt man, dass es Zeit ist, zu handeln?

Was sind Anzeichen von Übertreibungen oder unverhältnismäßigen Abwertungen?

3 Signale, an denen du Übertreibungen auf den Aktienmärkten erkennst

1. Medien

Das wohl beste Signal für einen temporär stark „irrationalen“ Markt sind die Medien:

Wenn in Presse und Fernsehen Untergangsszenarien gezeichnet werden, kannst du davon ausgehen, dass viele andere Anleger panisch werden und die Kurse unverhältnismäßig stark nach unten drücken.

Analoges gilt, wenn jeden Tag neue, euphorische Meldungen über einen nicht enden wollenden Gipfelsturm aller Indizes kommen.

Alle wollen von der scheinbaren „Goldgrube“ Aktien profitieren und kaufen wahllos Unternehmen. die im Zuge dessen zu einer überzogenen Bewertung gelangt sind.

2. Jeder spricht über Aktien

André Kostolany drückte es in seinem hervorragenden Buch „Die Kunst über Geld nachzudenken“ folgendermaßen aus:

„Bat mich beispielsweise der Pilot ins Cockpit, um ein paar Tipps zu erfahren, oder fragte mich meine Caféhausbedienung, ob man Daimler oder besser IBM kaufen sollte, spürte ich, dass der Markt heißgelaufen war.“

Wenn du demgegenüber beim Erwähnen des Themas Aktien&Investment in deinem Umfeld auf starke Ablehung stößt, kannst du erahnen, dass gerade ein guter Einstiegszeitpunkt ist.

3. Keine Reaktion auf gute oder schlechte Nachrichten

Boomt die Wirtschaft und übertreffen die Unternehmen reihenweise die Erwartungen, ohne dass sich der Aktienkurs steigert, deutet das oft auf einen überkauften Markt hin und ein Investment kann sehr sinnvoll sein.

Werden stetig schwächere Ergebnisse ausgewiesen als erwartet, worauf die Kurse aber nicht mit Einbrüchen reagieren, ist der Markt oder die einzelne Aktie sehr häufig überkauft und du solltest darüber nachdenken, auszusteigen.

Obwohl es oft heißt, dass es nicht möglich ist, den Markt perfekt „abzutimen“:

Zumindest tendenziell ist es aber gut möglich, die grobe Marktphase zu erahnen, wenn du auf die obigen Anzeichen achtest.

Fassen wir also kurz zusammen:  Ein antizyklischer Investor erkennt die Marktphase und handelt dann entschlossen.

Doch reicht das, um ein erfolgreicher Antizykliker zu sein?

Wir sind der Meinung, dass du vor allem 3 Fähigkeiten brauchst, um zu einem guten Contrarian zu werden:

3 Eigenschaften, die du als antizyklischer Investor haben musst

1. Mut & Charakterstärke

Die ganze Finanzwelt liegt scheinbar in Trümmern, alle jammern, wie schlimm sie getroffen wurden und von überall hörst du:

„Lassen Sie jetzt ja die Finger von Aktien!“

Um in so einer Phase entgegen der Meinung aller zu investieren, benötigt man die berühmt berüchtigten „Eier“.

Vermutlich werden dich all deine Freunde und Bekannte für verrückt erklären und dir bei weiteren Einbrüchen noch mehr an den Kopf schmeißen, dass du alles falsch machst.

In so einer Situation können wir dir nur ans Herz legen:

Zeige Charakter und behalte die Nerven!

2. Liquidität

Wie wir schon in unserem Artikel Anlageformen & Kapitalaufteilung erwähnt haben, hat Liquidität, also sofort verfügbares Geld auf deinem Konto, eine äußerst wichtige Rolle in deinem Portfolio.

Für einen antizyklischen Investor ist Liquidität eine absolute Grundvoraussetzung.

Hast du nicht genügend Geld zur Verfügung, um im Crash handeln zu können, wirst du auch von der besten Einstiegsgelegenheit nicht profitieren können.

Es kann sogar noch schlimmer kommen:

Ist dein Liquiditätsanteil sehr niedrig und du benötigst aber für andere Ausgaben (Autoreparatur, Hochzeit etc.) einen beträchtlichen Betrag, kannst du gezwungen sein, Aktien zu verkaufen.

Wenn sich der Markt dann zu diesem Zeitpunkt gerade mitten in einer Abwärtsbewegung befindet, musst du wohlmöglich viel zu billig verkaufen.

Dies ist ein Worst-Case-Szenario, was dir unter keinen Umständen passieren sollte!

3. Zeit & Geduld

Wenn der Aktienmarkt gerade im Fallen ist, kann niemand genau sagen, wann die Gegenbewegung kommen wird.

Bei den letzten kleinen Krisen, dem China-Crash und dem Brexit, dauerte die Baisse nur einige Wochen.

Im Zuge des Brexits hatte ich aus meinem Fehler während der China-Krise gelernt und direkt am Morgen der Bekanntgabe des Votums bei Hypoport zu einem Kurs von 70€ je Aktie zugeschlagen.

Es ist durchaus möglich, dass ein „Bärenmarkt“ (Phase fallender Kurse) einige Jahre andauert.

Hier musst du Geduld beweisen und an die Sinnhaftigkeit deines Investments glauben.

Egal wie viele Rücksetzer noch kommen –  als antizyklischer Investor musst du eisern an deiner Idee festhalten (solange deine Investitionsgründe auch noch Bestand haben).

Ganz wichtig ist, dass du einen langfristigen Anlagehorizont hast.

Wenn du nur einmal für ein paar Monate mit Aktien zocken willst und schnelle Gewinne erzielen willst, ist antizyklisches Investieren nicht für dich geeignet.

Auch wenn all das dir einleuchtet und du jetzt meinst, dass eine antizyklische Herangehensweise genau das Richtige für dich ist, wollen wir das ganze etwas relativieren:

Antizyklisches Investieren ist nicht DIE ultimative Investment-Strategie.

Deshalb wollen wir dir noch einige Hinweise mit auf den Weg geben.

Einschränkungen – Was du beachten solltest

Du solltest das Konzept der Antizyklik defintiv nicht als generelles Credo verstehen!

Mehr noch: In Bezug auf die Handlungsanweisung, teuer zu verkaufen, vertreten wir eine etwas davon abweichende Haltung:

Für gute und langfristig wachstumsstarke Unternehmen lautet die beste Haltedauer: Für immer!

Wenn die Aktien eines Unternehmens seit langem kontinuierlich gestiegen sind und der Gesamtmarkt ebenfalls boomt, heißt das nicht zwingend, dass jetzt ein Verkaufszeitpunkt gekommen ist.

Prüfe für jeden einzelnen Aktientitel separat:

Ist die Aktie nur gestiegen, weil der Gesamtmarkt gestiegen ist?

Oder weil das Unternehmen tatsächlich stark aufgestellt ist und hervorragende Wachstumsaussichten besitzt?

Analog solltest du im Crash nicht wahllos die erstbesten Aktien kaufen.

Ein schwach geführter Konzern wird auch in einer Phase der Markterholung nicht unbedingt wieder steigen, wenn es dafür fundamental keine Gründe gibt.

Wir sind in der Vergangenheit gut damit gefahren, in Korrekturphasen Aktien von Unternehmen zu kaufen, die wir schon vor der Abwertung im Portfolio oder zumindest auf der Watchlist hatten.

So vermeidest du es, unbedachte Kaufentscheidungen zu treffen und legst automatisch bei Werten zu, die dich sowieso überzeugt haben.

Fazit

Fassen wir zusammen: Antizyklisches Investieren ist eine Timing-Strategie, mit der du es schaffen kannst, bei guten Unternehmen günstige Einstiegszeitpunkte zu finden.

Der wichtigste Punkt ist in unseren Augen, diese Strategie in Crashphasen im Hinterkopf zu haben.

Wenn andere panisch und ängstlich werden, solltest du kühlen Kopf bewahren und hervorragende Unternehmen zu günstigen Preisen kaufen.

Letztendlich kann es für einen guten antizyklischen Investor, der wirklich überzeugende Werte in seinem Portfolio hat, nie schlecht laufen auf dem Aktienmarkt:

In Krisenzeiten bietet sich ihm die Möglichkeit, in attraktive Unterbewertungen zu investieren.

Und in Boomphasen, wenn das Depot deutlich im grünen Bereich ist, lacht sowieso das Investoren-Herz.

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